Premiere in Mönchengladbach: Ballett "Farben der Welt" im Theater von Robert North

Premiere in Mönchengladbach : Tänzer als bewegte Bilder

Robert Norths vierteiliger Ballettabend „Farben der Welt“ überführt Motive aus der Malereigeschichte in Tanzbilder. Eine Uraufführung ist auch dabei: Musik des Theater-Pianisten André Parfenov zu Kasimir Malewitsch.

Dem Tanz hat der Hauptvertreter des französischen Fauvismus, der Maler Henri Matisse, ein populär gewordenes Bild gewidmet. Ballettdirektor Robert North nahm daraus das Motiv des Kreistanzes auf, um seinen Ballettabend „Farben der Welt“ zu eröffnen. Dass die Bilderschau auf der von Udo Hesse, Andrew Storer, Philippe Combeau und North eingerichteten Tanzbühne zu einem Feuerwerk grazil bewegter Farbkompositionen in Kostümen geraten musste, war keine Frage. Als dritte, nicht minder wichtige Komponente stellte der Chefchoreograf die Musik in Positur. Für deren stimmige Realisierung sorgte Kapellmeister Andreas Fellner mit den Niederrheinischen Sinfonikern.

Für die Matisse-Bilder aus den Milieus Zirkus und Jazz hatte North zwei Orchestersuiten und Miniaturen von Strawinsky ausgesucht, die für die tänzerische Umsetzung maßgeblicher waren als die Bildvorlagen, von denen der amerikanische Choreograf sich hatte inspirieren lassen. Hier ließ er seiner kreativen Ader freien Lauf, die kurzen Tanzszenen verschafften nicht nur ästhetisches Vergnügen, sondern überraschten auch mit humoristischen Einfällen.

Ernster gestimmt kam „Verkündigung“ daher, das Stück fußt auf einem Gemälde des Renaissance-Meisters Botticelli. Robert North hatte diese Choreo bereits vor 40 Jahren in Jerusalem aufführen lassen. Erzählt wird zur getragenen, melancholischen Musik des Briten Howard Blake die biblische Szene, da der Engel Maria aufsucht, um sie auf eine außergewöhnliche Geburt vorzubereiten. Irene van Dijk (Maria) und Marco A. Carlucci (Engel) zeigen einen berührenden Pas de deux, wobei Maria wiederholt versucht, sich der sie überfordernden Mission der Gottesmutter zu entziehen. North erzählt die Geschichte weiter – bis zur traurigen Grablegung Jesu – und macht so klar, wie schwer die Last ist, die der Engel Maria aufbürdet. Alessandro Borghesani trägt unprätentiös und doch atemberaubend die besondere Verantwortung, die Gestalt des Nazareners würdevoll in Tanz zu bannen – bis hin zur Kreuzigung, die fast ohne Requisiten dargestellt wird.

Eine veritable Uraufführung war an diesem Abend, der mit sommerlich beschwingten Naturbildern nach einem Gemälde William Turners unter populären Vivaldi-Klängen seinen Abschluss fand, auch zu erleben: Der Klaviervirtuose André Parfenov widmet sich in seiner Malewitsch-Suite dem Schaffen des russischen Suprematisten. Das klang wie eine raffinierte Weiterentwicklung der Motorik Strawinskys, die Tänzer und Tänzerinnen durften phasenweise geschmeidige Figuren durch eckig-markante ersetzen. Die bunten Kostüme präsentierten ebenso wie die vom Schnürboden herabfahrenden konstruktivistischen Elemente vertraute Motive des russischen Künstlers, dessen legendäres „Schwarzes Quadrat“ hier nicht fehlen durfte.

Schon nach dem Malewitsch-Stück brandete kräftiger Applaus auf, nach dem Schlussstück „Tempus Fugit“ steigerte sich der Beifall gar zum lange anhaltenden Orkan. Hochverdiente Anerkennung der glänzenden Leistungen dieser 21-köpfigen Ballettcompagnie!

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