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Mönchengladbach: Ovationen für "Carmina Burana"-Ballett

Mönchengladbach : Ovationen für "Carmina Burana"-Ballett

Begeistert bedankte sich das Premierenpublikum im Theater bei Ballettchef Robert North und 200 Mitwirkenden des Zyklus "Carmina Burana" von Carl Orff. Die Tanzfassung ließ die kraftvolle Musik noch anschaulicher werden.

Es wird kein gewöhnlicher Ballettabend, das wird gleich klar, nachdem der Vorhang sich gehoben und den Blick auf die mit Menschen gefüllten Podeste im Bühnengrund freigegeben hat. Ahs und Ohs tönen halblaut aus dem Parkett, wo die Premierenbesucher eine riesige Chorgemeinschaft und davor das Orchester im Halbdunkel ausmachen können. Im nächsten Moment ist das Spektakel im Gang - laut, kraft- und blutvoll, mit markant treibendem Ostinato des Schlagzeugs und der Bässe. "O Fortuna!", der populäre Eröffnungschor dieser "profanen Gesänge", die Carl Orff 1937 aus einer mittelalterlichen Liedersammlung im Kloster Benediktbeuern für seine "Carmina Burana" entwickelte, schlägt sofort in Bann.

Als humoristische Idee im Kostüm akzeptabel: Paolo Franco als Schwan, der sein Los in der Bratpfanne beklagt. Dazu sang Frank Valentin im Falsett. Foto: © Matthias Stutte

Die von Orff immer hinzugedachten "magischen Bilder" verstärken bei dieser von Alexander Steinitz prägnant und akkurat geleiteten Aufführung den Sinnesreiz. Denn Ballettdirektor Robert North hat das dreiteilige Kantatenwerk um mindestens ebenso eindrucksvolle Tanzbilder ergänzt. Am Anfang stellt er in Alessandro Borghesani und der aus der Elternzeit zurückgekehrten Solotänzerin Karine Andrei-Sutter das zentrale Paar vor. Sie werden so etwas wie einen roten Tanzfaden durch den Abend ziehen, auch wenn Handlungselemente so lediglich angedeutet werden können. In Carl Orffs Klangwelt gibt es halt keine echte Handlung. Und da wohl kaum jemand die Liedtexte in mittelalterlichem gereimten Scholarenlatein und Mittelhochdeutsch versteht, die der dreiteilig formierte Riesenchor vom Theater mit den Mädchen und Jungen der Chorakademie Kempen brillant vorträgt, muss eben die Tanzcompagnie für Inhaltliches sorgen.

Meisterlich ist die Koordination des Ballettensembles bei simultanen Bewegungsbildern und Sprüngen. Robert North präsentiert eine leichtfüßige, aber auch leidenschaftliche bis zeitweise derbe Tanzfassung der drei Orff-Kantaten. Foto: Stutte

Robert North hat erneut in seiner Ideenkiste gekramt und sehr beredte, intensive Tanzbilder gefunden. Da ist der angeschickerte Abt (Jorge Yen) in härener brauner Kutte, der sich am Ende in bester, allseits taumelnder Wirtshaus-Gesellschaft wiederfindet ("In Taberna"). Und da ist die köstlich komische Szene mit dem weißen Schwan (Paolo Franco), der mimisch genau das ausdeutet, was der Counter-Tenor Frank Valentin von der Solistenbank aus breit lamentierend singt. Dass dieser Vogel allerdings, wie in der fehlenden Kostümierung oberhalb der weißen Rüschenunterhose zu sehen, kaum Fleisch auf den Rippen hat, zügelt den Appetit auf Braten sofort wieder.

Wunderschöne Pas de deux zelebriert das Liebespaar (Andrei-Sutter und Borghesani) auf dem Tanzteppich. Einzig das Energiebündel Raphael Peter als "Mann in Schwarz" bringt eine Kontrastnote auf gleichem Spitzenniveau ein. Aber auch die Ensembles faszinieren durch Abwechslungsreichtum der Körpersprache, die bei North immer für neue Nuancen und ungewohnte Eindrücke steht. So lässt er das Ensemble beim Reigenlied "Swaz hie gat umbe" in Kreisform laufen.

Sophie Witte, Tobias Scharfenberger und Frank Valentin sorgen für sängerische Highlights in dem pulsierenden, festlichen großen Ganzen. Dafür gab es hernach Ovationen, die gefühlt eine halbe Stunde anhielten . . .

(RP)