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Neujahrskonzert im Theater Mönchengladbach

Mönchengladbach : Meisterliche Mundharmonika

Beglückender Start ins neue Jahr: Das Neujahrskonzert im fast ausverkauften Theatersaal bot wieder einmal Ausgefallenes in brillanter Wiedergabe. Als „Special Guest“ wurde die Mundharmonikaspielerin Monja Heuler gefeiert.

Niemals ist so viel politische Prominenz bei einer Veranstaltung im Theater anzutreffen wie beim Neujahrskonzert. Diesmal konnte Generalintendant und Moderator Michael Grosse sogar zwei Oberbürgermeister begrüßen – neben Hans Wilhelm Reiners auch das Stadtoberhaupt von Krefeld. Bei diesem gesellschaftlichen Ereignis wollten Generalmusikdirektor (GMD) Mihkel Kütson und seine „Niederrheinischen Sinfoniker“ nicht zurückstehen und das Beste geben, wenn es auch, so der GMD, zu diesem Anlass „nichts Schweres“ sein sollte.

Als „Special Guest“ hatte Kütson die Mundharmonika-Spielerin Monja Heuler (26) entdeckt, eine Virtuosin auf ihrem kleinen und – wenn es so meisterlich gespielt wird – vielfarbig und abwechslungsreich klingenden Instrument. Die international gefragte Preisträgerin von Mundharmonika-Weltwettbewerben stellte die beiden einzigen vorhandenen Kompositionen für Mundharmonika und Orchester vor: ein Konzert von Michael Spivakowsky und „Toledo“ von James Moody. Einfühlsam von Kütson und den „Niederrheinern“ begleitet, konnte die bescheiden und fast schüchtern wirkende Künstlerin alle Facetten ihres großen Könnens zeigen – voller Inbrunst gestaltete Kantilenen ebenso wie Virtuos-Kapriziöses, was vor allem den dritten Satz des Mundharmonika-Konzertes zu einem bemerkenswerten Erlebnis machte.

Der GMD hatte für das übrige Programm wieder erfolgreich „in Nischen gesucht“, um nicht die üblichen Neujahrs-Hits präsentieren zu müssen. Das gut aufgelegte Orchester folgte seinem motivierenden Dirigat bereitwillig und überzeugte in Aram Chatschaturjans Walzer aus der Suite „Maskerade“ ebenso wie in unbekannten Klängen von Johann Strauß Vater und Sohn. Albert Ketèlby schildert das Leben und Treiben auf einem persischen Markt – hier imitierten die Musiker, wenn sie gerade nicht beschäftigt waren, die aggressiven Schreie der Bettler.

Der Engländer Haydn Wood (er erhielt seinen Vornamen, weil sein Vater kurz vor der Geburt Joseph Haydns „Schöpfung“ gehört hatte) schildert in seinen melodiösen Suiten Pariser Szenen und den tonmalerisch großartig gelungenen Wachwechsel vor Whitehall in London. Rafael Frübeck de Burgos, langjähriger GMD in Düsseldorf, hat zwei Sätze der „Suite espanola“ von Isaac Albéniz (original für Klavier solo) werkgerecht für Orchester bearbeitet, was Kütson und seine Musiker zu einer mustergültigen Wiedergabe inspirierte.

Neben einer ganzen Reihe von brillanten Einzelleistungen sei das umfangreiche und glänzend gelungene Cellosolo von Raffaele Franchini in Franz von Suppés Ouvertüre zu „Ein Morgen, ein Mittag, ein Abend in Wien“ besonders erwähnt.

„Will das Glück nach seinem Sinn Dir was Gutes schenken, sage Dank und nimm es hin ohne viel Bedenken.

Jede Gabe sei begrüßt, doch - vor allen Dingen - das, worum Du Dich bemühst, möge Dir gelingen“, - mit diesem aufmunternden Neujahrs-Gedicht von Wilhelm Busch beendete Michael Grosse seine wie immer knappe und informative Moderation. Dann brach riesiger Jubel aus. Selbst nach der dritten Zugabe – dem heiß ersehnten „Radetzkymarsch“ – war er noch nicht zu Ende. So gab das Orchester noch einen vierten, ebenso mitreißenden Vortrag zu – das hatte es bisher noch nicht gegeben.

Entsprechend beschwingt trafen sich die Gäste anschließend im Foyer zum Gespräch und zum Umtrunk, dazu hatte der Oberbürgermeister eingeladen.