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Neue Ausstellung im Museum Abteiberg Mönchenglabach

Mönchengladbach : Wenn die Idee die Kunst ist

Die Ausführung überlässt der Künstler anderen: dem Handwerker, dem Computer, der Natur, dem Betrachter. Die Idee allein stammt von ihm. Das ist das Prinzip der Konzeptkunst. Die neue Ausstellung im Museum Abteiberg zeigt dies.

 Mitte der 1960er Jahre werden alle Regeln der Kunst über Bord geworfen. Es gibt nicht mehr den geniehaften Künstler, der mittels seiner Begabung große Werke schafft, indem er den künstlerischen Funken durch seine unnachahmlich meisterliche Pinsel- oder Meißelführung entzündet. In der Konzeptkunst geht es allein um die Idee. Die Ausführung wird anderen überlassen: dem Handwerker, dem Computer, der Natur und dem Betrachter.

In den „Paragraphen zur Konzeptkunst“ die der amerikanische Künstler Sol Lewitt 1967 formulierte, heißt es: „In der konzeptuellen Kunst ist die Idee oder das Konzept der wichtigste Aspekt der Arbeit. Wenn ein Künstler eine konzeptuelle Form der Kunst verwendet, bedeutet dies, dass alle Planungen und Entscheidungen im Voraus getroffen werden und die Ausführung eine oberflächliche Angelegenheit ist. Die Idee wird zu einer Maschine, die Kunst macht.“

Im dritten und letzten Teil der Ausstellungstrilogie „Die Zukunft der Zeichnung“ geht es dieses Mal also um das Konzept. Elf Werke von zehn Künstlern haben die stellvertretende Direktorin des Museums Abteiberg, Felicia Rappe, Uwe Riedel, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit, und die Volontärin Felicitas Fritsche-Reyrink ausgewählt. Sie stammen aus der Sammlung von Hans Joachim und Berni Etzold, die seit 1970 als Dauerleihgabe im Museum Abteiberg ist.

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Jost Etzold, Sohn des Sammlerehepaars, erinnert sich an seine Jugendzeit. „Zu meiner Konfirmation 1963 bekam ich eine Bohrmaschine geschenkt, damit ich die Löcher bohren konnte, wenn mein Vater Bilder aufhängen wollte.“ Er freut sich, dass die Sammlung seiner Eltern in so guten Händen ist. Und darüber, dass die dreiteilige Ausstellung noch einmal viele Schätze aus dem Depot ans Licht brachte.

Eine Wand des Raumes, in dem die Konzeptkunst gezeigt wird, haben die Kuratoren „aus einer Laune heraus“ gelb streichen lassen. Darauf macht sich das „Modular Piece“ von Sol Lewitt aus dem Jahr 1966 erstaunlich gut. Sein Thema ist das Quadrat. „Er nimmt sich maximal zurück, lässt keine Emotion entstehen“, sagt Felicia Rappe. Das Quadrat nutzte der Künstler, um es in immer wieder neuen Konstellationen zu zeigen.

Konrad Sieben lässt den Kuratoren freie Hand bei der Art der Präsentation seiner Arbeit „Elementstruktur“. Die neun schwarz-weißen Aluminium-Streben bilden in der Interpretation von Rappe, Riedel und Fritsche-Reyrink zwei auf dem Boden liegende Dreiecke und ein aufrechtes. „Wir haben die Streben immer wieder umplatziert, das hat viel Spaß gemacht“, verrät Felicia Rappe.

Verblüffende, witzige und hintersinnige Werke sind in der Präsentation zu sehen. Ein zusätzliches befindet sich in der Caféteria des Museums und im Flur, der zu den Toiletten führt. Es ist eine zeitgenössische Position von Thomas Locher, die ein Schlaglicht auf konzeptuelle künstlerische Ansätze in der Gegenwart wirft. Auf dem Weg zum Klo liest der Museumsbesucher Befehle und Kommandos – in blauen Lettern (einzeln mit der Hand aufgeklebt) auf der weißen Wand.