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Musikkabarettist William Wahl war im TiG in Mönchengladbach

Comedy in Mönchengladbach : Wahlgesänge im TiG

Musikkabarettist William Wahl mischte bei seinem Auftritt im Theater im Gründungshaus (TiG) traurig-schöne Lieder mit aberwitziger Heiterkeit.

Der Einstieg war ein Cocktail von Melancholie und greller Lebenslust. Während William Wahl von Mühsal und Sehnsucht sang, entfachten seine Finger am Klavier über quirlige Musicalzitate eine Glitzerwelt mit Broadway-Flair. Der Auftakt im TiG leitete mit dem Lied „Das Leben ist kein Musical“ ein Soloprogramm mit überraschenden Wendungen und hintergründigen Widersprüchen ein. Zum Titel „Wahlgesänge“ lud der Musikkabarettist zum Lachen, Träumen, Innehalten und Nachsinnen ein.

Wahl ist Musiker und Poet, Komödiant und Melancholiker, selbstironisch und sarkastisch, richtig nett und bei Liedern, wie „Ein kleines bisschen Hass“, auch mal ganz schön böse. Das Ergebnis ist eine anregende Gemengelage von berührender Traurigkeit, frechem Witz, doppelbödiger Persiflage, satirischer Überzeichnung, temperamentvollen Emotionen, Karikatur und Reflexion.

Wahl unterlegte und ergänzte seine Lieder mit Klavierspiel, glitt lustvoll über ins rein Instrumentale und hatte dabei fast durchgängig sein Publikum im Blick. Auch wenn er scheinbar locker von privaten Erfahrungen, doch eigentlich doppelbödig übergreifend plauderte, bezog er bald wieder das Klavierspiel ein. Französische Chansons seien so schön, dass man in Traurigkeit baden möge, so der blonde Troubadour. Als deutsche Antwort auf das Genre mischte er im Lied „Pfad der Misere“ über einen Junggesellinnenabschied Spott und Wehmut. „Ich hoffe, ich habe die die Stimmung nicht zu tief runtergezogen“, kommentierte Wahl in der Rolle des Schelms, um gleich darauf in Cis-Moll mit Anspielungen auf Beethovens „Mondscheinsonate“ über den eigenen Tod zu sinnieren. Mit hitzigem Klavierspiel und bizarrem Text entfachte er eine apokalyptisch anmutende Vision vom „Zirkus am Ende der Zeit“.

In einer Zeitreise zu musikalischen Vorlieben der Jugendzeit verlegte der Musikkabarettist das Umfeld des Joshua-Kadison-Songs „Picture Postcards from LA“ vom Mittleren Westen der USA nach Brandenburg. Wahl erzählte und sang von der Liebe wider besseres Wissen. Er sinnierte über den Selfie-Wahn und die Wirkung von Werbung. Im Verweis auf die eigene Vaterschaft widmete er ein Lied Eltern, die schon bei der Kita-Wahl die Promotion des Nachwuchses im Blick haben. Zum „Infotainment Block“ servierte er eine aberwitzige „Musikpsychologie par excellence“. Zum Finale feuerte William Wahl ein inhaltlich und musikalisch keck verwobenes Crossover mit Rückgriffen auf Mozarts und Bachs Musik wie auch DJ BoBo ab. Für den begeisterten Beifall gab es eine Zugabe oben drauf.