Museum Abteiberg Mönchengladbach : Kunstfilm verbindet Konsum und Kultur

Das Ausstellungsprojekt „Powerbanks“ von Britta Thie wurde nacheinander bei Saturn und im Museum eröffnet.

Für eine halbe Stunde steht der Alltag still im Saturn-Elektromarkt im Minto. Verkaufsgespräche werden unterbrochen, viele Menschen, nicht nur Kunden der Mall, versammeln sich vor der riesigen Wand voller Bildschirme. 130 Stück sind es. Da, wo den ganzen Tag lang bunte Bilder flimmern, die die Qualität der Fernsehgeräte beweisen, lief am Samstagnachmittag ein Kunst-Film.

Eine Premiere. Saturn goes Museum. Eigentlich nicht nur der Saturn-Markt, denn in dem Moment zeigten alle Monitore in der Shoppingmall Minto den Film „Powerbanks“ der Künstlerin Britta Thie. Eduard Felzen, Geschäftsführer des Saturn-Marktes Mönchengladbach, ist ziemlich begeistert. Es ist zwar nicht die erste Zusammenarbeit mit dem Museum Abteiberg in Sachen Kunst – Saturn betreute vor Jahren die Webcam für eine Aktion von Gregor Schneider – aber diese hier hatte es in sich.

Drei Tage standen für die Produktionsfirma Senator-Film AG die Türen offen – nach Ladenschluss konnte ungestört mit den Akteuren und Britta Thie gedreht werden, aber auch hin und wieder während der Öffnungszeiten. Da die Produktionszeit knapp bemessen war, konnte es keinen Probelauf geben, erzählt Felzen. Aber alles klappte, natürlich, denn „so muss Technik“, sagt Felzen lachend und zitiert den Werbeslogan von Saturn. Hier trifft er nun wirklich zu.

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Die Mitarbeiter des Saturn-Marktes, berichtet Felzen, waren so interessiert an den Arbeiten der Produktion, dass sie oft nach Ladenschluss im Markt blieben, um zuzusehen. Der Trailer zum Film wird bis zum 14. Oktober, das ist das Ende der Ausstellung von Britta Thie im Museum Abteiberg, viertelstündlich auf den Monitoren im Saturn-Markt und im Minto laufen.

Reik Möller von der Senator Film AG ist der Produzent. Auf der Berlinale in Berlin lernte er Britta Thie kennen. Schnell entschieden sie sich für eine Zusammenarbeit: Britta Thies attraktives Konzept überzeugte Reik Möller. „Sie hat ein einnehmendes Wesen und so viel Kreativität.“ Innerhalb von vier Monaten wurden Autorinnen gesucht, die Storyline für die geplante Serie, das Drehbuch für den Film geschrieben, die Schauspielerinnen und Schauspieler aus dem Umfeld des Einkaufszentrums gecastet und schließlich die Aufnahmen gemacht. „So ein Projekt haben wir noch nicht gedreht“, sagt Möller.

Auch Dorothee Coßmann, Geschäftsführerin der Sparkasse-Kulturstiftung Rheinland, zeigte sich begeistert. „Die Tandemförderung mit der regionalen Sparkasse“, so erklärt sie, „machen wir nur, wenn es was Besonderes ist.“ Und was ist das Besondere? Vor allem Britta Thie selbst, die in den letzten Jahren künstlerisch auf vielen Feldern von sich reden machte und „die Art, wie sie uns den Spiegel vorhält“. Es seien „geistesgegenwärtige“ Arbeiten, so Coßmann.

Während der Eröffnung der Ausstellung im Museum Abteiberg bietet sich ein ungewöhnliches Bild: Das Durchschnittsalter der Besucherinnen und Besucher ist enorm gesunken. Alle Darsteller des Films „Powerbanks“ sind da und haben Freunde und Familien mitgebracht. Alle sitzen – und damit ist die Verbindung zum Minto wieder geschlossen – auf den Powerbanks von Britta Thie, viele laden ihre Handys auf, surfen im freien WiFi – Saturn goes Museum eben. Ein (Neben-)Effekt: Mit dieser Ausstellung soll jungen Erwachsenen der Zugang zum Museum erleichtert werden. Kein heiliger Tempel der Musen, sondern ein Ort mit guter Aufenthaltsqualität für junge Erwachsene. Und wenn dann noch der eine oder die andere einen Blick auf die Kunstwerke im Museum Abteiberg wirft, dann ist das Projekt mehr als gelungen.