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"Monty Python's Spamalot" im Theater Mönchengladbch

Mönchengladbach : Süchtig nach den Rittern der Kokosnuss

Die Geschichte ist aberwitzig und bekloppt, der Humor rabenschwarz, abstrus und „very british“, und die Spielfreude aller Akteure riesig: „Monty Python’s Spamalot“ hat das Theaterpublikum auf Anhieb und nachhaltig begeistert.

Wo andere Menschen mittels Knochen, Gelenken und Muskeln ihre Bewegungsabläufe sorgsam koordinieren, scheinen bei ihm sämtliche Gliedmaßen aus Gummi zu bestehen. Henning Kallweit trabt, er galoppiert, er geht Schritt, er tanzt, er tut manch kaum Nachvollziehbares mit seinem Körper. Und ab und an möchte man ihm zu Hilfe eilen, bevor sich Arme, Beine, Hände, Füße und Kopf heillos ineinander und umeinander verheddern. Was sie dann doch nicht tun.

Der junge Schauspieler ist Patsy, der treue Diener von König Artus, der herrlich blasiert und ein wenig tuntig unwiderstehlich in Szene gesetzt wird von Adrian Linke. Patsy ist auch das Pferd seines Herren, der vier ziemlich bekloppte Kerle (Paul Steinbach, Michael Ophelders, Ronny Tomiska und Philipp Sommer) anheuert, die ihm auf der Suche nach dem heiligen Gral behilflich sein sollen. Artus – mit dauerhaft grazil ausgestreckter linker Hand – gibt seinem Zossen die Kommandos, und los geht’s mit Hufgetrappel, das Kallweit mittels zweier leerer Kokosnussschalen erzeugt.

Das Mönchengladbacher Publikum hat eine grandiose Premiere erlebt: Monty Python’s Spamalot hat die Herzen erobert. Hat die Menschen im Theater zweieinhalb Stunden zum Lachen gebracht, hat sie mit guter Laune in die Nacht geschickt, nachdem sie minutenlang stehend applaudiert haben. Unfassbar groß ist die Spielfreude der Akteure auf der Bühne und der Musiker im kleinen Orchestergraben. Aus dem von Zeit zu Zeit Requisiten gereicht werden – wie etwa der Strauch, der auf der Suche nach dem Gral eine große und ziemlich abstruse Bedeutung hat.

Einmal steigt auch die Fee aus’m See aus der Tiefe empor. Um grandios ihre Divenhaftigkeit unter Beweis zu stellen. Und mit wirklich großartiger Stimme zu klagen, beispielsweise, dass sie zu selten auf der Bühne stehen darf, obwohl sie doch die entscheidende Rolle im Stück hat. Esther Keil ist die dauerhaft beleidigte, dauerhaft geltungssüchtige, dauerhaft eingebildete weibliche Hauptfigur des Stücks. Herrlich, wie sie ihre Stimme gekonnt in die Höhe schraubt, geradezu körperlich die Töne herausschleudert. Esther Keil kann in diesem Musical einmal mehr ihr wahrhaft riesiges komödiantisches Talent zeigen.

Das gilt nicht minder für ihre Kollegen – die durch die Bank vier Rollen spielen müssen. In der Garderobe hinter der Bühne muss der Teufel los sein. Paul Steinbach etwa ist nicht nur der schöne Sir Robin mit Pott-Frisur, er taucht auch mal als Wache und als Bruder Maynard auf. Philipp Sommer ist der Noch-Nicht-Tote-Fred, Der Ritterfürst von Bi, Concorde und Sir Bedevere, der seine heftigen Flatulenzen regelrecht zelebriert.

Für Generalintendant Michael Grosse ist der Abend ein Fest. Er darf Galahads Mutter sein, der Historiker und der Vater von Prinz Herbert, der herrlich schwul gemimt wird von Ronny Tomiska. Herrlich sind die Dialoge der beiden französischen Ritter (Michael Grosse und Michael Ophelders) über Sinn und Nutzen von „Künst“ und Baguette. Die Ritter der Kokosnuss machen süchtig. Für Freunde des britischen Humors, der hier so abgrundtief und rabenschwarz, skurril und abstrus ausgespielt wird, ist dieses Musical, das Christine Hofer unverwechselbar spaßig inszeniert hat, ein Muss.

Nächste Vorstellungen: 9. Oktober, 4., 9., 18. und 25. November und weitere; Tickets gibt es unter 02166 6151-100 und online auf www.theater-kr-mg.de