Mönchengladbach : Literarischer Sommer: Ernest van der Kwast und seine Mutter

Die Reihe „Literarischer Sommer“ begann mit einer amüsanten Lesung des niederländisch-indischen Schriftstellers.

Der „Literarischer Sommer“ ist gestartet. Ernest van der Kwast, niederländisch-indischer Schriftsteller, las aus seinem vor acht Jahren in den Niederlanden erschienenen Buch „Mama Tandoori“.

Kulturdezernent Gert Fischer ließ es sich nicht nehmen, die Gäste in der Rheydter Stadtteilbibliothek persönlich zu begrüßen. Tandoori, so Fischer, bedeute ja sowohl eine Gewürzmischung als auch der Erdbackofen, in dem ein indisches Gericht zubereitet werde. Die Stadt Mönchengladbach habe keine Kosten und Mühen gescheut, um für das Backofen-Feeling zu sorgen.

Doch der 1981 geborene Ernest van der Kwast ließ die Hitze vergessen. Frisch und erfrischend, gut aufgelegt und mit seinem charmanten niederländischen Akzent erzählte und las er, machte Scherze, erfand neue Geschichten („fast alles ist wahr und was nicht wahr ist, hätte so passieren können“). Gut moderiert von Maren Jungclaus vom Literaturbüro NRW in Düsseldorf verging die Zeit wie im Fluge.

„Ich werde dich unglücklich machen, ich werde Schriftsteller“, soll Ernest van der Kwast zu seiner Mutter gesagt haben. Diese hatte andere Erwartungen gehegt. Drei Studiengänge hatte es gegeben, unter denen van der Kwast auswählen konnte: Wirtschaft, Jura und Medizin. Bis zum Bachelor in Steuerrecht („Ich kann Sie beraten, wenn Sie wollen“) hat er es durchgehalten, dann sprach er den zitierten Satz zu seiner Mutter. Sie verbrannte daraufhin einen Müllsack im Garten, „um Ernests bösen Geist zu vertreiben“.

„Mama Tandoori“ ist ein Familienroman, ein Roman, in dem van der Kwasts Mutter eine große Rolle spielt. Es gibt viel zu lachen. Anders als humoristisch, so van der Kwast, hätte er diesen Roman nicht schreiben können, und doch ist der Roman alles andere als oberflächlich.

Van der Kwasts Mutter ist ebenso schön wie schwierig und von einer extremen Sparsamkeit getrieben. „Menschen, die meiner Mutter begegneten, mussten denken, sie hätten den falschen Weg eingeschlagen“, sagte van der Kwast. Dass das Verhalten seiner Mutter gute Gründe hat, wird im Laufe des Romans deutlich. In großer Armut aufgewachsen, kann sie ihrer Vergangenheit nicht entfliehen. Ihrem Sohn gelingt es, sich schreibend von seiner eigenen Vergangenheit zu entfernen. Seine Mutter bleibt präsent. „Wir haben gestern noch telefoniert. Ich soll Grüße bestellen. Und Sie sollen nicht alles ernst nehmen, was ich sage, “ sagte der Autor lachend.

Das Buch ist im btb-Verlag erschienen; 240 Seiten; 20 Euro.

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