Mönchengladbach: Geniale Momente am Sonntag um 5

Die Band „Jansen“ eröffnet die diesjährige Konzertreihe „Five o’clock Acoustic“.

Die Stadt habe die Förderung für die Konzertreihe im Volksgarten reduziert, teilt Walter Riettiens, neben Kurt Schmidt Initiator des 2015 gestarteten Freiluftformats, mit. „Glücklicherweise ist Bezirksvorsteher Hermann-Josef Krichel-Mäurer mit einem großen Betrag in die Bresche gesprungen“, sagt er, daher kann „Five o’clock Acoustics“ fortgeführt werden. Auch Stadtsparkasse und NEW haben Geld gegeben, und das benachbarte Pflegeheim verköstigt die 250 Gäste beim Auftaktkonzert.

„Uns ist wichtig, nicht nur Mainstream anzubieten“, sagt Schmidt. Und so betreten vier schwarz gekleidete Männer das Podium des Spitzdach-Pavillons, die in den nächsten 90 Minuten manchen überraschen: Der Hamburger, in Krefeld lebende Avantgarde-Barde Markus Maria Jansen (MMJ) provoziert schon äußerlich: lange, ungekämmte Haare, nachlässiges Outfit, Sonnenbrille. Vor gut 30 Jahren hatte der jetzt 61-Jährige mit seiner Debütband M. Walking on the Water die Indie-Szene aufgemischt.

Sein zweites, auch schon 20 Jahre altes Projekt, „Jansen“, setzt Anarchopotenzial frei und zeigt MMJ als Liedermacher deutscher Zunge. Kernig, raubeinig, robust klingt das, gestützt auf akustisches Instrumentarium. Aus dem jüngsten Vinylprodukt (!) der Band, „Die Unschuld der Gebäude“, spielt das Quartett – neben MMJ gehören Philip Lethen (Glockenspiel, Kontrabass), Markus Türk (Trompete, Bassgitarre) und Drummer André Hasselmann dazu – Stücke wie „Hallo Nachbar“, „Zeit für Zeitreisen“ und „Kleiner Bruder“. Klingt ziemlich schräg, woran Jansens verstimmte Gitarre den geringsten Anteil hat.

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Der Frontsänger ballert drauflos – aus einer Growlbass-Kehle, deren Klang an Harry Rowohlt oder Tom Waits denken lässt. Dazu zupft er, im Dialog mit Lethens Glockenspiel-Pling-Plong oder mit Markus Türks virtuosen Trompetenriffs, eckige Melodien, die weder zum Nach- noch Mitsingen taugen, die aber skurrile Pointen in die Musik schleusen. Vorsorglich verlassen einige Mütter mit Kindern die Zuschauerreihen. Denn Jansen singt oft von kruden Dingen („Der Sommer 13 war prima, schlecht war nur das Mikroklima“). Die meisten aber bleiben, denn Jansen wird im Verlauf des Konzerts immer authentischer, so begeistert der Polka-Rhythmus in „Endhaltestelle“. Sogar Coverversionen – Leonard Cohens „Halleluja“ oder Jacques Brels „Amsterdam“ – fesseln trotz krasser Umdichtung und musikalischer Umformung. Immer ist ein Anti-Entertainer am Werk.

Weil der Drummer seinen Zug nach Hamburg kriegen muss, will Jansen zunächst auf die Zugabe verzichten. Das lässt ihm das Publikum nicht durchgehen. Aber wer kann die Lücke füllen? Da meldet sich ein Junge mit Handicap und wird mit großem Hallo begrüßt. Marcel schlägt gleichmäßig seinen Viervierteltakt auf dem Schlagzeug. Die Band spielt dazu einen Walzer im Dreivierteltakt. Erneut schräg, aber passt doch. Toll und danke, Marcel!