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Mönchengladbacher: Die Kassettenkataloge vom Museum Abteiberg

Neuerscheinung : Ein Stück Gladbacher Kunstgeschichte

Sie sind echte Sammlerobjekte: Die Kassettenkataloge des alten Gladbacher Stadtmuseums. Im Original zwischen 1967 und 1978 von dessen Chef Johannes Cladders herausgegeben, wurden sie jetzt in einem eigenen Katalog vereint.

Mit Joseph Beuys fing alles an. Mit dessen inzwischen legendärer Ausstellung im Alten Museum an der Bismarckstraße, die nicht nur die Kunstfans in der niederrheinischen Provinz, sondern gleich die internationale (eher zufällig versammelte) Kunstwelt irritierte, provozierte, wenn nicht aus den Angeln hebelte.

Es ist der September 1967. Es ist Johannes Cladders‘ erste Ausstellung an seiner neuen Wirkungsstätte in der Funktion des Museumsdirektors. Es ist die erste radikale Infragestellung des Museums als Institution mit den Mitteln der Kunst, Beuys‘ erste Museumsausstellung überhaupt. Und es ist so etwas wie die Geburtsstunde des Museums Abteiberg. Dessen Pläne bauen auf den Diskussionen auf, die seit Cladders‘ Amtsantritt und in seinem Ausstellungsprogramm permanenter Aufruf zu einem Museumsneubau waren. Hans Holleins Architektur, die 1982 den berühmten Bilbao-Effekt auslöste, weiß ums „Antimuseum in Permanenz“ und die Umdeutung des Museums weg vom Ausstellungsraum hin zum mit der Stadt vernetzten Ort dauernder Diskussionen um die Berechtigung der Kunst und des Museums an sich.

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Viel kann man von dieser Entwicklung in dem prachtvollen und von ausgesprochenen Fachfrauen editierten Katalog ablesen, in dem die ebenfalls legendären 35 Kassettenkataloge vollumfänglich dokumentiert sind, die zu so etwas wie dem Markenzeichen des Cladders’schen Ausstellungsprogramms wurden. 21x17 Zentimeter große Pappkartons (jedenfalls meistens), in die neben einem Leporello mit Abbildungen der Ausstellung und einem Text von Cladders auch Auflagenwerke der jeweiligen Künstler gepackt waren. Eine Art Anti-Katalog und Sammelobjekt zugleich, in limitierten Auflagen von 55, oft 330 bis maximal 660 Stück, die in der Ausstellung zum Preis von wenigen Mark abgegeben wurden und inzwischen hoch gehandelt werden. Auch weil die Künstler, die in den frühen 70ern zu Cladders nach Mönchengladbach kamen, später zu Protagonisten der Kunstgeschichte avancierten: Beuys, Heerich, die Bechers, Brecht, Broodthaers, Rückriem, Long, Hollein und wie sie alle heißen. Noch heute gilt die Gladbacher Sammlung, von Cladders angekauft, zu den bedeutenden jener Epoche. Ruthenbeck beispielsweise hat die Schachtel zur Schallplattenhülle umfunktioniert, Jasper Johns eine rote Plastikrose hineingelegt („A Rose is a Rose...“), Richter Fotos von seinen grauen Bildern, Beuys eine Filzplatte.

 Das Cover zeichnet sich durch sein schlichtes Design aus.
Das Cover zeichnet sich durch sein schlichtes Design aus. Foto: Repro Sabine Janssen

Nicht nur Susanne Titz als aktuelle Direktorin des Hauses ordnet in ihrem erhellenden Text das Projekt Kassettenkataloge in die Geschichte der Kunst ein, sie verweist ausdrücklich auf die Vorgeschichte des Hollein‘schen Museums-Neubaus. Kuratorin Susanne Rennert stellt die Kataloge in den Zusammenhang der Fluxus-Bewegung, trägt Cladders‘ Korrespondenz mit den Künstlern zusammen und wertet die Figur Cladders im Zusammenhang mit der ungemein vitalen Kunstszene der Zeit. Alles ist ungemein kenntnisreich und leicht verständlich geschrieben, die Kataloge sind fotografisch exzellent von Tobias Hohn und Stanton Taylor dokumentiert. Ein großer Wurf, selbst als Buch.