Nabucco: Premiere in Mönchengladbach : Große Oper des jungen Verdi

Im Theatercafé Linol stellten Regisseur, Dramaturgin, Dirigent und Bühnenbildner die Opernarbeit für „Nabucco“ vor. Anschließend konnten die Gäste eine Probe besuchen.

In der Spielzeit 1981/ 82 war Verdis „Nabucco“ ein letztes Mal auf der Bühne in Mönchengladbach zu sehen. Es sei also höchste Zeit, die Oper wieder mit ins Programm zu nehmen, befand Dramaturgin Ulrike Aistleitner zur Soirée im Theatercafé Linol. Die Dramaturgin stellte mit Regisseur Roman Hovenbitzer, Dirigent Diego Martin-Etxebarria und Bühnenbildner Roy Spahn die Opernarbeit vor. Beim anschließenden Probenbesuch wurde ein Blick in die Aufführung gewährt. Noch agierten Solisten und Chorsänger in „Zivil“, die Musik entfaltete bereits ihren Zauber, während der Dirigent hier und da noch an Feinheiten feilte. Premiere ist am Samstag, den 23. Juni, ab 19.30 Uhr.

 Der wunderbare Johannes Schwärsky als Nabucco.
Der wunderbare Johannes Schwärsky als Nabucco. Foto: Matthias Stutte/© Matthias Stutte

Die Theaterbesucher werden Zeuge einer Geschichte mit religiösen und politischen Bezügen sowie einem Familiendrama. „Nabucco“ war für den noch jungen Verdi die dritte Oper. Komponist Otto Nicolai hatte Soleras Libretto über den biblischen Freiheitskampf des jüdischen Volkes aus babylonischer Gefangenschaft verschmäht. Auch Verdi soll davon zunächst nicht begeistert gewesen sein, schrieb dann aber eine hochemotionale Musik und damit seinen ersten großen Opernerfolg.

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„Die Erwartungen sind hoch. Als Regisseur steht man vor einer großen Aufgabe. Es geht um ganze Völker. Es braucht Unmenge an Personal“, stellte Regisseur Roman Hovenbitzer fest. Die Inszenierung ist nach Benjamin Brittens „Peter Grimes“ seine zweite Arbeit für das Gemeinschaftstheater. Hovenbitzer betonte, das Thema der Bevölkerungsgruppe, die ausgelöscht werden soll, ernst zu nehmen. Er will es fassbar machen am Beispiel der Familie, um die es auch geht. „Wenn Nabucco zur Schlacht und Zaccaria zum Widerstand aufruft, ist die Musik fast deckungsgleich“, stellt er fest. In der Regiearbeit widmet er sich auch der Frage, wie weit die Suche nach sozialer und religiöser Identität von Gewalt und Kalkül bestimmt ist.

Diego Martin-Etxebarria verwies auf den Einfluss von Rossini, Donizetti und Bellini auf dem noch jungen Verdi, der zugleich andere Wege des Musizierens suchte. Der Dirigent hob die Orchestrierung und Energie der Oper hervor. Als Herausforderung nannte er das große Orchester: „Die Instrumente waren damals leiser als heute. Wir müssen aufpassen, damit wir nicht zu laut werden und die Sänger noch gemütlich singen können.“ Zugleich ist es ihm ein Anliegen, mit dem Orchester Verdis Energie musikalisch umzusetzen. Für die 60-köpfige Chorbesetzung stellt er fest, dass diese spielerisch und sängerisch stark gefordert ist. Roy Spahn entwarf für die Bühne einen tempelartigen Raum, der in Verweisen auf verschiedene Religionen etwas von der Haghia Sophia hat, aber intimer ist. Auf der Rückseite wird die drehbare Bühne zum Ort der Verbannung.