Aktionswochenende in Mönchengladbach Offene Ateliers bieten kleinen Einblick in künstlerische Vielfalt der Stadt

Mönchengladbach · Ein Wochenende öffneten die c/o-Künstlerinnen und -Künstler ihre Ateliers für die Öffentlichkeit. Was bei einem Spaziergang durch die unterschiedlichen Räume entdeckt werden konnte.

 Mit einer bemerkenswerten Akribik schafft Metin Çelik in seinem Atelier an der Waldhausener Straße surreale Mischwesen. Fotos (2): Markus Rick

Mit einer bemerkenswerten Akribik schafft Metin Çelik in seinem Atelier an der Waldhausener Straße surreale Mischwesen. Fotos (2): Markus Rick

Foto: Markus Rick (rick)

86 Künstler haben am Parc/ours-Wochenende die Türen ihrer Ateliers geöffnet, um Gäste willkommen zu heißen und die Qualität und Vielfältigkeit der Mönchengladbacher Kunstschaffenden unter Beweis zu stellen. Mit dabei: Lukas Köllner. Er ist erst seit zwei Monaten c/o-Künstler und arbeitet im ehemaligen Atelier von Ellen Katterbach – im Atelierhaus Steinmetzstraße. Da seine Arbeiten bis auf zwei Zeichnungen derzeit auf Ausstellungstour sind, kam ihm die besondere Idee, mit Kunstfreunden den „Chimaera Salon“ zu zeigen: 18 befreundete Künstler, Akademieabsolventen und Autodidakten, zeigen Arbeiten, die normalerweise so nicht nebeneinander hängen würden.

Metin Çelik gehört seit zwei Jahren zu den c/o-Künstlern. Im Studio an der Waldhausener Straße 62 fertigt der Künstler gerade eine Farbstiftzeichnungen an. Çelik demonstriert seine Arbeitsweise und der Besucher stellt fest: Diese Technik ähnelt den schnellen kurzen Setzungen eines Kupferstiches. Stundenlang sitzt Çelik vor dem Bildträger, entwickelt seine surrealen Mischwesen, die einer postapokalyptischen Zeit entspringen und verbraucht dabei Hunderte von Farbstiften.

Ein ebenso akribischer Zeichner führt seit vielen Jahren auf der Neuhofstraße sein Atelier: Koshi Takagi. In den vergangenen Jahren hat er überwiegend in Japan ausgestellt, vor einiger Zeit aber waren seine Bilder in der Galerie im Atelierhaus E 71 zu sehen. Aus tausenden Strichen entsteht ein Elefant, dessen ledrige Haut der Betrachter zu spüren scheint. Seine Frauenporträts wirken wie Fotos und sind doch hyperrealistische Gemälde.

Irena Kulis gehört zu den c/o-Künstlerinnen der ersten Stunde. Mit ihr im Atelier an der Waldhausener Straße arbeitet die Autodidaktin Ingrid Porsche-Miemietz. Beide überlassen sich einem Arbeitsprozesses, in dem sie nicht wissen, „wohin die Reise geht“. Das Ergebnis ist sehr unterschiedlich: Die farbintensiven Bilder von Kulis sind Landschaften mit figurativen Assoziationen. Die mit Schwämmen gefertigten Bilder von Porsche-Miemietz sind zart und zurückhaltend in der Farbigkeit. Aber auch in ihnen tauchen rätselhafte Wesen auf.

 Irena Kulis gehört zu den c/o-Künstlerinnen der ersten Stunde. Sie hat ihr Atelier ebenfalls an der Waldhausener Straße.

Irena Kulis gehört zu den c/o-Künstlerinnen der ersten Stunde. Sie hat ihr Atelier ebenfalls an der Waldhausener Straße.

Foto: Markus Rick (rick)

Auf dem Rundgang können die Gäste in Ruhe und mit Zeit mit den Künstlern plaudern und alte Werke sowie solche, die im Entstehen begriffen sind, betrachten. Im Atelier des Künstlerpaares „Link & Kress“ steht auf der Staffelei das unfertige Bild einer Frau inmitten eines Blumenmeeres von Anna E. Link, während Marc-Daniel Kress zur Feier des silbernen Jubiläums des Parc/ours alte Fotografien präsentiert.

Im Vorübergehen entdeckt der Spaziergänger Kunst an einem ungewöhnlichen Ort: Im Kunstfenster auf der Hauptstraße 125 in Rheydt – auch die kleinste Galerie der Stadt genannt, Tag und Nacht zu besuchen. Auf einem Quadratmeter Fläche können Künstler sich austoben. Der Mönchengladbacher Klaus Angeli präsentiert derzeit in der nierenförmigen Schaufenstergalerie zwei seiner abstrakten Farblandschaften in Acryl.

Die Zentralbibliothek beteiligt sich zum ersten Mal auch an dem Rundgang. Zwischen Romanen, Arbeitsplätzen und Sesseln, in denen der Leser sein Buch genießt, begegnen dem Besucher fast zufällig Bilder, Skulpturen und Objekte. Die Kunststoffobjekte von Christiane Behr strahlen im Licht des Lichthofes. Kathrin Tillmanns Porträts weit über den Köpfen der Gäste erinnern an die Kinderarbeit in der Textilstadt. Klaus Schmitt präsentiert eine Holzkonstruktion, die an eine leicht geöffnete Tür erinnert. Die Krefelder Künstlerin Birgitta Heidtmann bietet mit ihrem „Rad“ neue Durchblicke an. Und den Künstler Thomas Hoffmann, der mit seinen Interventionen an den Wabenfenstern im Treppenhaus der Bibliothek vertreten ist, trifft man im Atelier in der Gasthausstraße. Seinen Arbeiten ist anzusehen, dass Hoffmann lange Jahre im Bereich Bühnenbild gearbeitet hat:Er schafft einen illusionistischen Blick in die Tiefe, entweder durch Überlagerung von farbigen Folien oder Schichtungen von Holz oder Glas.

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