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Mönchengladbach: Wissenswertes über Bachs Passionsmusik

Passionen von Bach : Bachs Passionsmusik zu den Osterfeiertagen

Wie viele Passionen gibt es? Wann wurden sie komponiert und wo sind sie noch zu hören? Unser Autor gibt Antworten.

Für viele Musikfreunde ist es eine liebe Gewohnheit, Jahr für Jahr in der Zeit vor Ostern eine Passionsmusik live zu erleben. Das Erlebnis mag religiös verwurzelt sein, muss es aber nicht. Vor allem Johann Sebastian Bachs Passionen stecken voller Dramatik. So ist die Pogromstimmung, mit der geifernde Volksmassen zur Kreuzigung auffordern, mit einer Spannung dargestellt, die es mit einem Kriminal- oder Actionfilm aufnehmen kann.

Bachs Matthäus-Passion gehört zu den beliebtesten Werken des europäischen Musiklebens. Uraufgeführt wurde dieses gewaltige Werk am Karfreitag 1727 in der Leipziger Thomaskirche. Aber damit begann noch nicht die Erfolgsgeschichte, denn die Passion geriet in Vergessenheit. Überhaupt sank im 18. Jahrhundert das Interesse an Bach. Es ist ein Verdienst Felix Mendelssohn-Bartholdys, ein Jahrhundert später Bachs Werke wieder populär gemacht zu haben. Das gilt auch für die Matthäus-Passion, die er am 11. März 1829 in der Berliner Singakademie zu einer Aufführung brachte.

Ähnlich beliebt ist Bachs Johannes-Passion. Im Vergleich zur Matthäus-Passion ist sie kürzer, kompakter und dramatischer. Bach verzichtet hier auf die reflektierenden begleiteten Rezitative vor den Arien. Die Johannes- entstand vor der Matthäus-Passion. Sie wurde am Karfreitag, dem 7. April 1724 in der Leipziger Nikolaikirche uraufgeführt.

Für dieses Jahr wäre eine interessante Aufführung der Matthäus-Passion in der City-Kirche zu hören gewesen. Kirchenmusikdirektor Klaus Paulsen hatte hierfür Künstler eingeladen, die sich mit historisch informierten Wiedergaben einen Namen gemacht haben. Die Corona-Pandemie machte einen Strich durch die Rechnung.

Live werden die Bach-Passionen auch anderswo in diesem Jahr nicht zu hören sein. Aber ein strikter Hörverzicht ist damit natürlich nicht verbunden. Vielleicht nimmt mancher die Gelegenheit zum Anlass, noch einmal seinen guten alten Platten- oder CD-Bestand zu durchforsten – da könnte noch das eine oder andere vergessene Schätzchen zu finden sein. Auf interessante, empfehlenswerte neue Einspielungen mit alten Instrumenten wurde auf der Kulturseite (A6) der Rheinischen Post vom 1. April bereits hingewiesen.

Gibt es von Bach auch eine Lukas- und eine Markus-Passion? Man weiß es nicht genau. Unter der Bach-Werke-Verzeichnis-Nummer 246 wurde früher eine Lukas-Passion geführt. Inzwischen spricht vieles dafür, dass sie nicht aus Bachs Feder ist. Noch anders verhält es sich mit der Markus-Passion, die in diesem Jahr am Karfreitag in der Rheydter Hauptkirche aufgeführt werden sollte. Auch dieses Konzert muss in diesem Jahr der Pandemie zum Opfer fallen. Viel spricht dafür, dass Bach hier, was er gern tat, auf eine ältere eigene Komposition zurückgriff und sie umarbeitete. Der Fachbegriff hierfür heißt Parodie, was natürlich nichts mit dem kabarettistischen Imitieren von Personen zu tun hat.

Konkret: Das Libretto von Bachs Markus-Passion ist erhalten, es stammt von Picander. Viel spricht dafür, dass Bach auf eine Musik zurückgegriffen hat, die er 1726 anlässlich einer Trauerfeier für die sächsische Kurfürstin Christiane Eberhardine von Brandenburg-Bayreuth geschrieben hatte. Verbürgt ist, dass die Uraufführung der Bachschen Markus-Passion am 23. März 1731 in der Leipziger Thomaskirche stattgefunden hat. Aufnahmen von der Markus-Passion sind im Internet genau so zu finden wie solche von der Matthäus- und der Johannes-Passion. Bei YouTube oder Facebook nachzuschauen lohnt sich.