Mönchengladbach: Will erklärt die Welt

Kolumne: Der G-2-Gipfel der verrückten Präsidenten

Unser Kolumnist Hastenraths Will äußert sich diesmal zum G-7-Gipfel und das Verhalten des amerikanischen Präsidenten.

Der herrliche Schnappschuss vom G-7-Gipfel, der zurzeit auf alle Titelseiten zu sehen ist, kann man schon jetzt bedenkenlos zum „Bild des Jahres“ küren. Noch nie hat ein Foto die gesamte bisherige Amtszeit von Donald Trump so gut in Szene gesetzt wie dieses. Der amrikanische Präsidentendarsteller sitzt wie ein bockiges Kind mit verschränkte Arme auf sein Stuhl und wird von Mutti zurechtgewiesen. Alle anderen stehen drumrum und sind die Augen am verdrehen. Der Trump ist genau wie dieses eine Arschloch-Kind, das man auf sein Kindergeburtstag einladen muss, weil die Eltern sich kennen. Das Traurige dadran ist, dass Politik in diese Zeiten offensichtlich leider tatsächlich genauso abläuft wie ein Kindergeburtstag, allen voran diese nummerierten Gipfel: Es gibt Kuchen, es wird ein bisschen rumgetobt und am Ende wird ein Gruppenfoto zur Erinnerung gemacht. Nur dass heutzutage der dicke Junge, den keiner leiden kann, anschließend aus sichere Entfernung twittert, dass der alle anderen doof findet und sowieso nur in Quebec war, weil sein Flugzeug aufgetankt werden musste auf der Weg nach Singapur. Donald Trump hatte ja noch nie Lust auf Treffen mit Leute, mit die man sich länger als fünf Minuten am Stück unterhalten muss. In Singapur dagegen sah es ganz anders aus. Mit das Show-Treffen mit der kleine, dicke Raketenmann wollte Donald Trump nichts weniger als Geschichte schreiben: Der erste G-2-Gipfel der verrückten Präsidenten. Die Anhänger von Trumpelstilzchen, die es ja immer noch zu geben scheint, erwarten für dieses, wie Trump es nennt, „Spitzenklasse“-Treffen mindestens der Friedensnobelpreis. Eine recht kühne Hoffnung, denn wer Dummheit und Ungehobeltheit für präsidial hält, der sollte mal überprüfen, ob sein Alu-Hut nicht zu eng eingestellt ist. Es gibt allerdings noch eine realistische Chance für Donald Trump auf der Friedensnobelpreis, nämlich, indem der zurücktritt und die Weltordnung wiederherstellt.

Euer Hastenraths Will