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Mönchengladbach: Wie Kinder und Jugendliche Kunst aus Müll fertigen

Summer School im Museum Abteiberg : Ist das Müll oder kann das weg?

In der Summer School gestalten Kinder und Jugendliche Kunst aus Fundstücken und Abfall. Vorher entdeckten sie aber Werke von Beuys und anderen im Museum Abteiberg.

Leon weiß Bescheid: „Wir machen was mit Müll.“ Er hat bereits einige Kunstkurse besucht. „Ich hab mal ein Bild aus Spitzerabfall gemacht.“ Der Neunjährige gehört zu den acht Kindern und Jugendlichen, die sich an diesem Samstagvormittag im Museum Abteiberg getroffen haben. Unter der Leitung der Mönchengladbacher Künstlerin Christiane Behr und der freien Mitarbeiterin des Museums, Ulrike Engelke, nehmen sie an dem Kurs „Art & Future. Wunderschöner Müll / Waste but Beautiful“ teil.

An drei Samstagen treffen sie sich jeweils von 11 bis 17 Uhr und erarbeiten ihre eigenen Objekte aus Fundstücken. Der Workshop ist Teil der „Summer School“, die anlässlich des Jubiläumsjahres „100 Jahre Beuys“ initiiert wurde. Die „Summer School“ ist ein Projekt des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen in Zusammenarbeit mit der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.

„Wir werden Müll suchen und eine Müllskulptur bauen, die von innen beleuchtet ist“, erklärt Christiane Behr, und Ulrike Engelke ergänzt: „Und wir schauen uns an, was Künstler aus und mit Müll gemacht haben.“ 

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Apropos Künstler. Beuys ist für die acht Teilnehmer ein Unbekannter. Aber sie kennen andere Künstler: „Wir hatten mal Andy Warhol im Kunstunterricht. Der machte ganz bunte Bilder von einer Schauspielerin“, erklärt die neunjährige Luise. Und Leon nennt Leonardo da Vinci: „Die Mona Lisa mag ich am liebsten. Und seine Erfindungen beeindrucken mich sehr.“ Rebecca, zwölf Jahre alt, erinnert sich aus früheren Museumsbesuchen noch an den Mönchengladbacher Künstler Heinz Mack.

Am Ende des Tages wird Beuys mit Sicherheit kein Unbekannter mehr sein, gibt es doch einige Kunstwerke von ihm im Museum, die die Gruppe anschauen wird. Doch zunächst geht es zu einer Arbeit von Robert Filliou, einem französischen Zeitgenossen von Beuys.

Auf 26 kleinen Holzbrettchen hat Filliou zu jedem Buchstaben des Alphabets fünf Begriffe notiert sowie fünf Fundstücke aufgeklebt, die – sehr entfernt und mit viel Vorstellungskraft – mit dem Begriff zu tun haben. Da gibt es viel zu entdecken: „Da ist ein Lolli!“ – „Ich seh einen Keks!“ – „Schimmelt das nicht?“, fragt Leon zweifelnd.

Ulrike Engelke erklärt ihm und den anderen, dass die Dinge hinter der Glasscheibe gut geschützt sind. Dann geht es zum „Filzanzug“ von Beuys. „Das ist aber ein Riesenanzug“, hört man von Leon. Aus Filz, so erfährt er. „Der muss ja jucken“, kommentiert er.  Den „Lagerplatz“ von Joseph Beuys, eine Vitrine, in der der Künstler Alltagsgegenstände versammelte, nennt Luise „Alltagskasten“, Rebecca schlägt „Wandern“ als Titel vor. Schließlich liegen und hängen dort unter anderem zwei Luftpumpen, ein Rucksack und eine Weste.

Nach dem Kunst-Gucken geht es ans Müllsammeln. In kürzester Zeit haben die Kinder und Jugendlichen eine ansehnliche Menge Müll aufgesammelt – dabei sieht es doch eigentlich ganz sauber aus rund um das Museum Abteiberg und im Skulpturengarten. Dennoch: Von der Banderole einer Bierflasche über Drähte, Papierschnipsel, eine Schraube, einen Trinkhalm, den Rest einer Oreokeks-Verpackung sowie toten Insekten bis hin zu einem abgerissenen Plakat lässt sich einiges an verwertbarem Material mit sicher behandschuhten Händen aufpicken. Gemeinsam mit den Materialien, die Behr und Engelke mitgebracht haben wie Kokosöl, Filz, Wachsplatten, Kronkorken, Plastikschachteln werden in den nächsten Stunden und Samstagen mit Sicherheit spannende Objekte entstehen.