Mönchengladbach: Vortrag über die jüdische Künstlerin Lisel Haas

Mönchengladbach : Aus dem Leben der jüdischen Künstlerin Lisel Haas

Auf Einladung der Otto-von-Bylandt-Gesellschaft erinnerte Klaus Krüner an das fotografische Werk der Cousine von Hans Jonas.

Die Fotografie war das Bindeglied zwischen den beiden Leben der Lisel Haas. Die Cousine von Hans Jonas hatte in Mönchengladbach ein Fotoatelier. Doch nach der Pogromnacht emigrierte sie mit ihrem Vater nach Birmingham, wo sie sich nach der Einbürgerung einen Namen als Künstlerin machte. Sie arbeitete dort unter anderem am Alexandra Theatre sowie am Belgrade Theatre in Coventry. Nach dem zweiten Weltkrieg eröffnete sie ihr eigenes Fotostudio.

Im Rahmen der stadtgeschichtlichen Vortragsreihe der Otto-von-Bylandt-Gesellschaft erinnerte Klaus Krüner an Haas´ Leben und Werk mit Schwerpunkt auf ihre Mönchengladbacher Jahre. Unter den Zuhörern saß die eigens aus Birmingham angereiste Nichte Dorothy Williams. Zur Begrüßung im Rittersaal von Schloss Rheydt berichtete Christoph Nohn, dass Haas nach dem Krieg den Kontakt zum Niederrhein wieder aufgenommen hatte. Doch in die alte Heimat kehrte sie nie zurück. Das Verhältnis der Tante sei ambivalent gewesen. Sie habe in England ein neues Leben begonnen, doch bis zuletzt eine jüdisch deutsche Zeitschrift bezogen, sagte die Nichte.

Er sei eher zufällig auf Lisel Haas und ihre Arbeiten gestoßen, berichtete Klaus Krüner. Bei der Vorbereitung zu einer Ausstellung über die Familie Spier und die Wickrather Lederfabrik habe er von den Überlebenden Fotos erhalten, die von Haas stammten. In Günter Erkens´ Bänden über jüdische Familien in Mönchengladbach waren Krüner erneut Fotografien von Lisel Haas aufgefallen. Das sei für ihn und Ehefrau Ulrike Anstoß für eine Auseinandersetzung mit der Mönchengladbacherin gewesen.

Krüner beschrieb Haas als künstlerisch begabte Frau, die sich erst der Malerei zuwandte, aber zur Fotografie wechselte, um „schnellere Ergebnisse“ zu erzielen. Ab 1927 hatte sie ein Atelier für Bildnisfotografie an der Kaiserstraße 49. Doch mit dem Erstarken der Nationalsozialisten mussten Haas und ihr Vater das Haus verlassen. Zwischenstationen boten Viktoriastraße und Albertusstraße. Einen Monat vor der Pogromnacht wurde Haas aufgefordert, ihr Fotoatelier als jüdisches Geschäft zu kennzeichnen. Fünf Tage nach der Pogromnacht emigrierte sie nach Birmingham. In Mönchengladbach sind etliche ihrer Fotos erhalten, unter anderem eine von der Wickrather Familie Spier in Auftrag gegebene Dokumentation, die auch ein Stück Wohnkultur spiegelt. „Mir fiel auf, dass sie die Porträtierten oft von der Obersicht und in entspannter Pose zeigt“, kommentierte Krüner die gezeigte Auswahl der Porträtfotografie. Er zitierte Haas, die überzeugt war, dass sich eine Beziehung zwischen Fotografin und dem Gegenüber entwickeln müsse. Dabei sei der Fotograf eine Art Zauberer, der durch die Maske sieht, „die wir alle tragen“. Haas´ Kinderfotos lobte der Referent als einen der stärksten Teile ihrer Arbeiten. Bei der Auswahl ihrer Theaterfotografie verwies er auf eine Aufnahme des Schauspielers Ferdinand Marian, der zeitweise in Mönchengladbach verpflichtet war und auf Goebbels´ Geheiß die Filmrolle des „Jud Süß“ spielen musste. Von Haas ist überliefert, dass ihr die Porträtfotografie besonders am Herzen lag.

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