Mönchengladbach: Vikingur Olafsson spielte Bach und Beethoven

Meisterliches in Mönchengladbach : Beim Meisterkonzert im Theater erklingen Bach und Beethoven

Der Isländer Vikingur Olafsson ist beeindruckt von den beiden großen Komponisten. Ihre Werke spielt er daher besonders gerne und begeistert damit.

Selbstverständlich schätze er bei Johann Sebastian Bach den kühnen Musikkonstrukteur, ließ der aus Island stammende Meisterpianist Vikingur Olafsson in der Einführung zum fünften Meisterkonzert seine Zuhörer wissen. Aber noch mehr fasziniere ihn bei Bach die durchschimmernde Poesie.

Den Worten ließ er Taten folgen. Im Konzertsaal des Theaters spielte er im ersten Teil ausschließlich Bach. Und so, wie er mit dem Thema der „Aria variata alla maniera italiana“ begann, wurde schnell klar, was er meinte. Er spürte das Gesangliche, das Melodische bei Bach auf und brachte es ganz zart zum Klingen. Dabei beschränkte er das sensible Gestalten der Melodiebögen nicht auf die langsamen Partien. Auch wenn es schnell und virtuos zur Sache ging, machte er mit kleinen Akzenten und dynamischen Schattierungen versteckte melodische Linien deutlich. Das gilt für die Originalfassungen Bachs, so etwa in den Präludien und Fugen (BWV 850 und 855), der Sinfonie Nr. 15 h-moll (BWV 801) oder die Fantasie und Fuge a-moll (BWV 904). Es gilt aber auch für die Bach-Bearbeitungen. So ließ Olafsson beispielsweise in der im Original für Violine Solo geschriebenen Gavotte aus der E-Dur-Partita gleichermaßen den Komponisten wie den Bearbeiter Rachmaninow zu ihrem Recht kommen.

Spielte er Bach zu romantisch? Nein, denn er übertrieb das poetisch-melodische Element nicht. Und die Musik Bachs ist derart komplex, dass es erlaubt sein muss, unterschiedliche Akzente zu setzen – vorausgesetzt, das geschieht durchdacht und konsequent. Und das war hier zweifellos der Fall. Der zweite Teil des Abends war – mit zwei im Charakter sehr unterschiedlichen Sonaten – Beethoven gewidmet. Wie schon bei Bach, bestach die Präzision des Spiels ebenso wie das Gespür für fein gesponnene Melodien. Aber sowohl in der eher fröhlichen Sonate Nr. 1 f-moll op.2/1 wie auch in der eher tragischen Nr. 32 c-moll op. 111 ließ der Pianist auch die für Beethoven typischen abrupten Stimmungswechsel deutlich werden.

Nach begeistertem Beifall kehrte Olafsson noch einmal zu Bach zurück – mit der Bearbeitung eines langsamen Satzes durch den Liszt-Schüler August Stradal.

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