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Mönchengladbach: Viel Beifall für Rheydter Musiksommer

Rheydter Musiksommer : Begeisterung beim Eröffnungskonzert

Der Rheydter Musiksommer begann mit Rossinis „Petite Messe solennelle“. Um sie zu hören, kamen so viele Zuhörer in die evangelische Hauptkirche, dass die Programmhefte nicht ausreichten. Am Ende gab es viel Applaus.

Verwundert rieb sich Kantor Udo Witt die Augen. Weil er den guten Besuch des Rheydter Musiksommers im letzten Jahr noch im Kopf hatte, ließ er zum Eröffnungskonzert vorsichtshalber deutlich mehr Programme drucken als bisher erforderlich. Als er die fertige Papiermenge sah, dachte er allerdings, „doch etwas hochmütig“ in der Einschätzung des Bedarfs gewesen zu sein. Er sollte sich irren. Er war, wie er feststellen durfte, im Gegenteil „zu kleinmütig gewesen“. Die Zahl der Programme reichte nicht aus.

In der Tat waren die Bänke der Evangelischen Hauptkirche dicht gefüllt. Viele Zuhörer waren aufgrund der positiven Erfahrungen in den letzten Jahren gekommen. Manche wurden auch durch das Programm angelockt. Rossinis „Petite Messe solennelle" entstand 1863, fünf Jahre vor seinem Tod. Vieles an diesem Werk ist ungewöhnlich. Es war gut fürs Verständnis, dass Witt vorweg einige Erläuterungen gab.

Uraufgeführt wurde das Werk nicht in einer Kirche, sondern in einem Pariser Salon. Das erklärt die seltsame Instrumentalbegleitung mit Klavier (Udo Witt) und Orgel (Joachim Diessner). Ein Flügel gehörte damals zur Ausstattung eines Salons. Das Harmonium entwickelte sich seinerzeit zum Modeinstrument.

Entstand somit die Kombination Klavier/Harmonium auch eher aus Zufall denn aus Konzeption, so zeigte sich in der Hauptkirche deutlich ihr Vorteil. Das Klavier ist zweckmäßig fürs Präzise und fürs Schnelle, das Harmonium für den fülligen Klang und die Haltetöne. Folgerichtig setzte der Komponist bei den Arien meist nur das Klavier zur Begleitung ein; Klavier und Harmonium unterstützten gemeinsam den Chor.

Ungewöhnlich an diesem Werk ist auch der Zeitpunkt der Entstehung. Rossini hatte längst mit dem Komponieren aufgehört, er hatte eine jahrelange Auszeit hinter sich. Kochen und Essen waren ihm wichtiger als Komponieren. Geld hatte er genug verdient, wahrscheinlich spürte er auch, dass er sich nicht mehr stilistisch weiterentwickeln würde und dass aus Kreativität immer mehr Routine würde.

Im Alter wollte er es dann noch einmal wissen. Die Aufführung machte deutlich, wie sehr da immer noch der gelernte Opernkomponist in Rossini steckte. Die Arien, ob schnell und brillant oder gefühlvoll, stecken voller Operndramatik. Und wenn es einmal weniger nach Oper und mehr nach Oratorium klingen soll, dann erinnert sich Rossini an den guten alten Bach. Dann arbeitet er, wie im „Cum Sancto spirito“, mit fugierten Einsätzen.

Die Bezeichung „petite“ (kleine) Messe ist kräftig untertrieben; ungekürzt dauert das Werk eineinhalb Stunden. Um den Bogen in einem Sommerkonzert nicht zu überspannen, wurde in der Hauptkirche das Credo ausgelassen.

Mit guten Gesangsleistungen gefiel das Solistenquartett mit Annabelle Heinen (Sopran), Eva Marti (Alt), Alexander Tremmel (Tenor) und Johannes Wedekind (Bass). Gut einstudiert und sicher agierte der Chor, die Kantorei der Hauptkirche. Udo Witt garantierte vom Klavier aus eine konzentrierte Leitung. Für den begeisterten Beifall bedankten sich die Mitwirkenden mit einem Da Capo des „Cum Sancto spirito“.