Mönchengladbach: Video-Kunst von Felix Contzen

Video-Kunst im MMIII: Der Mond geht auf im Kunstverein

Heute Abend können Fans der Video-Kunst dem Mond sehr nahe kommen: Der Wuppertaler Künstler Felix Contzen setzt im Kunstverein MMIII unter anderem den Erdtrabanten auf eigenwillige Weise in Szene. Ein Fels macht auch mit.

Ein unregelmäßig geformtes Brett ist an der Wand des Kunstvereins MMIII in den Boetzeler Höfen installiert. Darauf zu erkennen sind Strukturen in zumeist grauen und schwarzen Farbtönen. Nach einem kurzen Moment wird klar: Da bewegt sich was. Ganz langsam und gemächlich.

Die Strukturen wabern, wälzen sich über die Fläche, scheinen über die Ränder hinweg drängen zu wollen. Schnell wird der Betrachter in das Objekt förmlich hineingezogen und erkennt, dass es eine Gesteinsformation ist, die er gerade zuvor schon einmal gesehen hat. Denn das Foto eines Felsen aus Wuppertal macht in der Chronologie der Ausstellung den Anfang. Dass dieses Foto auch auf die Holzplatte (die übrigens die Form aus dem Felsen aufnimmt) gedruckt ist, kann der Betrachter mehr erahnen als tatsächlich erkennen. Auf diese gestaltete Fläche projiziert der Videokünstler Felix Contzen die zu einem Film verbundenen Fotografien des Felsen.

Der Kunstverein MMIII wurde bislang in den Wintermonaten nicht bespielt. Viel zu kalt ist es dann dort. Klaus Schmitt vom Vorstand des Kunstvereins und Kurator Wilko Austermann bedauern dies. „Die Menschen bekommen das Gefühl, den Kunstverein gebe es nicht mehr“, erzählt Schmitt.

Um gegenzusteuern, entwickelte Austermann das Konzept einer nur einen Abend dauernden Videokunst-Ausstellung pro Wintersaison. Ein Glücksfall: Aus dem Investitionsfonds für Kultur der Bezirksregierung Düsseldorf kam eine Finanzspritze, die es ermöglichte, das technische Equipment anzuschaffen.

Felix Contzen aus Wuppertal macht mit seinen Arbeiten den Anfang und bringt buchstäblich Licht ins Dunkel des Winters und des Kunstvereins. Der 1981 in Willich geborene Künstler hat an der Kunsthochschule für Medien in Köln studiert und ist noch für wenige Wochen Gaststudent an der Kunstakademie Düsseldorf.

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Contzen macht folgendes: Ein von ihm gewählter Gegenstand wie ein Baum, eine Felsstruktur, Unterholz wird fotografiert. Viele Male. Diese Bilder fügt Contzen zu einem laufenden Bild, also einem Video, zusammen. Dieser Film wird nun über das Ursprungsobjekt gelegt. Das unbewegte beginnt sich zu bewegen, erwacht zu einem eigenen Leben. Ebenen der gleichen Realität überlagern einander, vermischen sich, gehen miteinander Beziehungen ein. Schnell stellt sich die Frage nach dem Wahrheitsgehalt und der Bedeutung unserer Wahrnehmung.

Für eine weitere Arbeit hat Contzen die Bilder eines Holzzaunes auf einen Holzzaun projiziert. Flammend rote Bilder sind es in diesem Fall, die über die Fläche wandern. Die Astlöcher, die feinen Rindenmuster verbinden sich zu neuen, fast surreal anmutenden Formationen.

Für den Kunstverein MMIII hat Contzen übrigens eigens den Mond vom Himmel geholt. Er hängt nun in der oberen Etage. Auf eine mit einer Spachtelmasse strukturierten Kugel projiziert Contzen bewegte Bilder des Planeten. So nah wird man dem Mond nie wieder kommen können.

Heute wird der Kunstverein MMIII in den Boetzeler Höfen an der Künkelstraße 25 in Eicken um 19.30 Uhr geöffnet. Dann kann man für einen Abend in die faszinierende Welt des Felix Contzen eintauchen.

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