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Mönchengladbach: Vanessa Vischer ist Vergolderin und Restauratorin

Restauratorin Vanessa Vischer : Meisterin der Handwerkskunst

Vanessa Vischer ist Vergolderin und Restauratorin. In Rom, München und Stuttgart hat sie sich ausbilden lassen. Und selbstverständlich im elterlichen Unternehmen an der Bismarckstraße. Sie kennt ihre Werkstoffe und liebt ihre Arbeit.

Der Kleine ist ganz schön neugierig. Er ist drauf und dran, sich aus Mamas Arm zu winden. Mit seiner rechten Hand zieht er an ihrem Schleier, die linke umfasst sein eigenes Füßchen. Was Babys halt so tun. Die Mutter schaut mit nachsichtigem Lächeln auf ihren munteren Sprössling herab. Ein wunderbares Kunstwerk, das gerade von Vanessa Vischer restauriert wird. „Da hat es jemand mit dem Staubwischen etwas übertrieben“, sagt sie. Tatsächlich ist die Goldfassung der Holzfigur an vielen Stellen nicht mehr vorhanden. Ein Fall für das Kunstkabinett Vischer, ein Fall für Vanessa Vischer.

Sie steht für die dritte Generation im Unternehmen, das ihr Großvater Erwin Vischer 1933 gründete, ihr Vater Detlef 1972 übernahm, und in das sie 2007 einstieg. Nachdem sie eine ordentliche Ausbildung im väterlichen Betrieb und Erfahrungen in anderen Fachunternehmen gemacht hatte. Dann ging sie nach Rom – zunächst als Au-pair, dann arbeitete sie als Vergolderin und Restauratorin in der italienischen Hauptstadt. „Ich habe das Leben als Touristin in Rom nicht kennengelernt“, sagt sie. Morgens besuchte sie die Sprachschule, nachmittags arbeitete sie. Dann kam sie zurück nach Deutschland – und machte ihren Meister.

Mit 25 Jahren stieg sie wieder ins Kunstkabinett Vischer ein. Suchte daneben immer die Herausforderung. „Ich will niemals aufhören zu lernen“, sagt Vanessa Vischer. „Ich bin Handwerkerin durch und durch, ich muss meine Arbeit hundertprozentig beherrschen, damit ich sie richtig mache.“ Deshalb hat sie sich weiterbilden lassen – etwa am Göring-Institut in München. „Das war sehr hart“, sagt sie. Von den 30 jungen Menschen, die mit ihr die Ausbildung begannen, schafften es zehn. Sie hatte damit den Abschluss „Staatlich geprüfte Restauratorin für Möbel und Holzobjekte“ in der Tasche.

Vanessa Vischer bei der Arbeit zuzusehen, ist ausgesprochen faszinierend. Der Umgang mit den diversen Materialien ist ihr selbstverständlich, mit großer Sicherheit geht sie ans Werk. An der Madonna mit Kind hat sie zuallererst eine gründliche Farbuntersuchung vorgenommen. Mit Glutinleim hat sie das Holz gestrichen, um es in dem Zustand, in dem es sich derzeit befindet, konserviert wird. Sie hat einen Kreidegrund angemischt und aufgetragen und kleine abgebrochene Stellen nachmodelliert. Dann holt sie das kostbare Blattgold aus dem Tresor. Und ab diesem Moment darf auf keinen Fall mehr gehustet oder geniest werden.

Die Holzfigur „Madonna mit Kind“ stammt aus einem Privathaushalt. „Die Museen haben in der Regel eigene Restauratoren“, sagt Vanessa Vischer. „Unsere Kunden lassen bei uns Bilder rahmen, Kunstwerke, Spiegel, Kerzenständer Möbel und Lampen restaurieren oder vergolden.“ Und wenn das zeitaufwendige Werk beendet ist, folgt ein wunderschöner Moment. „Dann kommen den Kunden manchmal vor Glück die Tränen, wenn sie ihr Eigentum in neuem Glanz sehen“, sagt die Restauratorin. Dann weiß sie, dass sie alles richtig gemacht hat. „Auch mir geht dann das Herz auf.“