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Mönchengladbach: Uli Borowka spricht über Alkoholsucht

Ex-Borusse stellte sein Buch vor : Uli Borowka, der Alkohol und die Scham

Mit Bekenntnissen über seine langjährige Sucht löste der Ex-Borusse eine intensive Diskussion in der Kulturküche aus. 

Am 17. Juni 1987 absolvierte Uli Borowka sein letztes Bundesligaspiel für Borussia Mönchengladbach. Am Bökelberg trafen Uwe Rahn, Schorsch Dreßen und Michael Frontzeck, die Borussen gewannen 4:0, Borowka erledigte seine Defensivaufgaben gewohnt souverän. Wenige Wochen später lief er nach sechs Jahren in der Vitusstadt für Werder Bremen auf. Was zu diesem Zeitpunkt niemand ahnte: Borowka war seit Jahren Alkoholiker, brachte seine Leistung trotz exzessiven Konsums.

Das ging nicht nur einen Teil seiner sechs Jahre bei Borussia gut, sondern auch stattliche neun Jahre in der Hansestadt. 1996 flog er dann in Bremen raus, benötigte jedoch vier Jahre, bis es zu einem Entzug kam. Viele Jahre danach folgte dann im Jahr 2012 sein Buch „Volle Pulle“, aus dem er am Donnerstagabend in der Kulturküche las.

Die Veranstaltung war allerdings keine Lesung im klassischen Sinne. Höchstens zehn der rund 100 Minuten las er wirklich. Ansonsten erzählte der 56-Jährige Anekdoten aus seinem Leben und zeigte dabei, dass er auch ein guter Unterhalter ist, ja fast ein Comedian. Einmal sei er von einem Schüler gefragt worden, warum er zum Alkoholiker geworden sei. „Das ist, weil ich in Mönchengladbach fünf Jahre mit Lothar Matthäus zusammen gespielt habe“, antwortete ihm Borowka, um gleich nachzuschieben, dass er mit dem WM-Kapitän von 1990 ein sehr gutes Verhältnis gehabt habe – bis er zum ersten Mal sein Gegenspieler war.

In Wahrheit dürfte wohl der Leistungsdruck eher eine Rolle gespielt haben. „Ich habe teilweise mit einem Bänderriss gespielt, aus Angst, meinen Platz in der Mannschaft zu verlieren“, erzählt Borowka. Daraus resultierte dann neben der Alkohol- auch noch eine Tablettenabhängigkeit.

Nachhaltig beeindruckt haben an dem Abend aber die Momente, in denen Borowka ernster war. „Ich schäme mich noch heute dafür, dass ich mich später privat genauso benommen habe, wie ich als Sportler auf dem Platz war. Ich konnte lange nicht verstehen, warum meine Frau mit den Kindern abgehauen ist. Heute weiß ich, dass sie sich schützen musste.“

Bei der Befassung mit der Sucht in Buchform ist es bei Borowka nicht geblieben. Er gründete den Verein „Uli Borowka Suchtprävention und Suchthilfe e. V.“, und hilft dort nicht zuletzt aktiven Sportlern, deren Situation er nachfühlen kann wie kaum ein anderer. Die Problematik verortet er auch in Sportvereinen. „In Vereinen wird doch gesoffen, dass die Heide wackelt. Früher habe ich mir gerne Jugendspiele angesehen, aber wenn da heute 20 Eltern stehen, haben zehn eine Bierpulle in der Hand“, erklärt er.

Das Problem werde in Deutschland verharmlost, trockenen Alkoholikern kaum eine Chance gegeben. „Ich habe mich nach dem Entzug bei 20 Vereinen als Co- oder Jugendtrainer beworben, es kamen 22 Absagen. Zwei Vereine haben vorsorglich abgesagt, die ich gar nicht gefragt hatte. In England etwa  ist mein Pendant Tony Adams nach Monaten in der Reha zurückgekehrt und wurde mit Standing Ovations im Stadion empfangen. Das ist hier undenkbar.“ Besonders lebhaft wurde der Dialog dadurch, dass im Publikum viele Betroffene zu finden waren, deren Fragen weit tiefer gingen, als das der eine oder andere erwartet haben dürfte.

Mit großem Respekt blickt Borowka auf das, was sich seit seinem Weggang bei Borussia entwickelt hat. „Das ist das Ergebnis kontinuierlicher Entwicklung. Die Einbindung von Rainer Bonhof in den Vorstand war ein wichtiger Schritt, zudem hat Borussia in Max Eberl einen der drei besten Manager der Bundesliga.“