Mönchengladbach: Tschick feierte Premiere im Theater

Premiere in Mönchengladbach : Ein Road-Movie auf der Theaterbühne

Im Theater an der Odenkirchener Straße feierte „Tschick“ Premiere. Das Stück erzählt die Geschichte zweier Außenseiter aus Ost-Berlin, die sich auf eine Reise begeben. Die Zuschauer erleben einen rasanten Abend.

Es war ein rasanter, witziger, nachdenklich stimmender, realistischer, utopischer und verrückter Theaterabend, den die Besucher der ausverkauften Premiere des Stücks „Tschick“ im Theater Mönchengladbach erlebten. Fast zwei Stunden lang zogen die drei Darsteller Henning Kallweit, Philipp Sommer und Carolin Schupa das Publikum in ihren Bann – regelrecht schade, als es schließlich vorüber war. Mit einem nicht enden wollendem Applaus behielt man die Akteure der Bühne, aber auch alle im Vorfeld Beteiligten, noch ein wenig im Studio des Theaters.

„Tschick“ in der Bühnenfassung von Robert Koall basiert auf dem Roman von Wolfgang Herrndorf. Geschrieben und gedacht war es als Jugendroman, doch ist es keines, das nur die Jugend anspricht – lange stand es auf den Bestsellerlisten. „Tschick“ steht in der Tradition der Entwicklungsromane ebenso wie in der von road movies. Zwei Außenseiter aus Ost-Berlin, Achtklässler, brechen für ein paar Tage aus – mit einem gestohlenen Lada. Tschick ist Spätaussiedler, der unglücklich verliebte Maik kommt aus einem ebenso wohlhabenden wie zerrütteten Elternhaus. Eher zufällig treffen sie aufeinander, befreundet sind sie erst am Ende ihrer Reise.

Auf ihrer chaotischen und nicht ganz ungefährlichen Reise begegnen sie der alternativen Familie Friedemann, der verrückten, klugen Isa, dem ehemaligen Soldaten Fricke und einer verträumten Sprachtherapeutin. Jede und jeder von ihnen begleitet Tschick und Maik unterstützend für eine Weile. „Alle haben uns immer gesagt“, resümieren Tschick und Maik, „dass die Welt schlecht ist, dass die Menschen schlecht sind. Traue niemanden, haben sie gesagt. Aber wir haben nur die Guten getroffen.“ Auf ihrer Reise finden Tschick und Maik vieles von dem, was sie – bewusst oder unbewusst – gesucht haben: sich selbst vor allem, den anderen als Freund, annähernde Klarheiten über die Welt. Denn Tschick und Maik diskutieren ungefiltert und offen die großen Menschheitsfragen nach dem Leben und dem Sterben, dem Universum und auch nach der Unendlichkeit.

All das erlebten die Theaterbesucher bei der Premiere auf außergewöhnliche Weise mit. Schauspieler, Regisseurin, Ausstatterin – das ganze Team ist ein junges, teilweise auch erst seit kurzer Zeit im Ensemble des Theaters. Regisseurin Maja Delinic hat schon „Nipple Jesus“ inszeniert und findet gemeinsam mit Ausstatterin Ria Papadopoulou für „Tschick“ überzeugende Mittel, die Rasanz der Reise von Tschick und Maik zu sich selbst darzustellen. Sie lässt Maik (Philipp Sommer) die Geschichte erzählen. Er, Tschick (Henning Kallweit) und Carolin Schupa, die in knapp zehn verschiedene Rollen schlüpft, übertragen die Geschichte in Szenen. Dies geschieht in einem abstrahierten Bühnenbild, bestehend aus verspiegelten Bauelementen, die mal Berg, mal Auto, mal See sind.

Sommer, Kallweit und Schupa singen, tanzen, treten als Pantomimen auf, diskutieren in Form eines Boxkampfes, fliegen, lachen, schreien. Mal sind die Szenen verträumt, mal absurd, mal melancholisch, mal aggressiv – in einem rasenden Tempo nehmen Sommer, Kallweit und Schupa die Zuschauer überzeugend für sich ein. Das wird auch bei den weiteren Vorstellungen so sein.

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