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Mönchengladbach: Trompeter Markus Türk veröffentlicht sein Solo-Debüt-Album

Kultur in Mönchengladbach : Poetischer Dorfpunk

Markus Türk ist in Gladbach kein Unbekannter. Der Trompeter ist hier oft in Bands zu hören, jüngst beim Pop Paradiso. Sein Solo-Debüt-Album „türk“ ist jetzt als LP erschienen. Eine musikalische Reise.

Jemand bläst in einen Trinkhalm. Es blubbert, dann ein paar Akkorde auf der Akustikgitarre. Die ist, wie fast alle Instrumente auf dieser Platte, von Markus Türk selbst eingespielt. Atmosphärische Elektronik-Einsprengsel hat Markus Maria Jansen beigesteuert, der langjährige musikalische Komplize und Freund.

Wir sind in „Dunkle Zeiten“, dem Auftaktstück auf „türk“, dem späten Solo-Album-Debüt des Trompeters Markus Türk, einer festen Größe der deutschen Jazzszene. Nach annähernd 40 Jahren bringt er dieses sehr persönliche Album heraus.

Unprätentiös, rau und struppig kommt der Opener daher. Energisch treibende Rumpel-Polka mit Songwriter-Attitüde nimmt vieles von dem vorweg, was das Album ausmacht. Da swingt und groovt es erstaunlich selten für das Werk eines Jazz-Musikers. Und wenn, dann ist es ein eher düster treibender Groove mit getragen voranschreitendem Schwung. Wie im Trauerzug bei einem Dixieland-Begräbnis.

Beim anschließenden „Wieder kein Oskar“ wartet man darauf, dass Sven Regener irgendwo um die Ecke biegt. Dieses lakonische Element-of-Crime-Gefühl – es taucht hier nicht zum letzten Mal auf. Das ist natürlich kein Zufall, schließlich ist der Trompeter vom Niederrhein mit Regeners Band schon Ender der Neunziger durch Österreich und die Schweiz getourt.

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„Piece of the Night“ kommt mit melancholisch gedämpfter Trompete. Und da ist sie wieder, diese Rauheit: Türk bestellt sein musikalisches Feld wie der Bauer seinen Acker. Da erklingt auch mal das schrille Schleifen eines groben Steins auf dem Eisen der Pflugschar. Es weckt Erinnerungen an eine alte Fassaden-Inschrift: Gebrauchter Pflug blinkt. Auch für die unüberhörbare Marchingband in der Dixieland-Reminiszenz „You are my Sunshine“ gibt es ein biografisches Vorbild: Kurz vor der Jahrtausendwende hat Markus Türk auch schon für die Marching Band The Warner Brothers in der Warner Brothers Movie World ins Horn gestoßen.

Im Stück „Sinai“ bewegt sich Türk mit Didgeridoo und arabischen Trommeln endgültig weg von abendländischen Harmonien und Rhythmen. Mit Weltmusik im besten Sinne entführt der Trompeter seine Zuhörerschaft in imaginäre Wüstenlandschaften. Hier spielt er seine auf Reisen von Madagaskar bis Myanmar gesammelten musikalischen Erfahrungen aus.

Zurück nach Europa geht es mit „Markt 16“. Da trifft Balkan-Polka auf teutonische Techno-Rhythmen. Zwischendurch wird es fast melancholisch, bevor ein furioses Finale mit deutscher Gründlichkeit – nein auch die kann Türk nicht ganz verleugnen – alle zuvor aufgebaute Schwermut wegbläst. Experimentell wird es beim Zeitlupenblues „The Saddest Thing in your Life“.

Eher tänzelnd marschiert der sich selbst auf allerlei Klangerzeugern begleitende Trompeter durch seine Komposition „Dorfpunk“. Dissonante Bläser-Fragmente könnten hier für die Nachbarn stehen. Die, die sich das Maul zerrissen über jenen Punk, den es damals aus dem niederrheinischen Provinzmief immer wieder in die Großstädte Düsseldorf, Köln oder Berlin und schließlich in die weite Welt trieb.

Insgesamt dreimal bereiste Markus Türk Südostasien. Mit Musikern aus Myanmar spielte er sowohl in deren Heimat als auch auf eurpäischen Festivals. Diese asiatischen Einflüsse sind auf „Yuri Joao“ unüberhörbar. Zugleich klingt Markus Türk hier noch einmal jazzig und virtuos swingend wie selten.

Der Titel des letzten Stücks „M. Walking under the Water“ ist eine Reminiszenz an seinen langjährigen musikalischen Weggefährten Markus Maria Jansen und dessen Band M. Walking On The Water. Es greift das Blubberblasen-Bild vom Beginn des Albums erneut auf. Die Trompete spielt jetzt unter Wasser. Die Musik, sie entsteht bei Markus Türk ganz tief unten. Wir hören nur, was an die Oberfläche dringt.