Mönchengladbach: Susanne Keller wurde für die c/o-Künstlerförderung ausgewählt

Neue c/o-Künstlerin : Susanne Kellers rätselhafte Wesen

Eine Jury hat über die Aufnahme der Malerin und Zeichnerin in die c/o-Künstlerförderung entschieden. Ihre traumwandlerischen Figuren, die mit Schwerkraft nichts zu tun haben, malt sie auf große Leinwände und Papier.

Eine fast transparente hybride Figur springt unter einer kindlichen „Eck-Sonne“ durchs Bild. Ein wenig sieht sie aus wie ein Roboter, aber einer mit weichen beweglichen Beinen. Am oberen Ende der Figur, dort, wo man den Kopf vermutet, schaut eine Spitze heraus. Eine winzige Antenne? In ihrer Mitte breitet sich ein rotes ausgreifendes Etwas aus, wächst etwas Neues aus dem Vorhandenen. Der lasierende Auftrag der Acrylfarben gewährt den Blick durch die Figur hindurch. „Ich wollte einen Astronauten, einen Maschinenmenschen mit einem Bazillus verbinden“, erklärt die Malerin Susanne Keller und fügt hinzu: „Das Undefinierbare bekommt Auswüchse.“

Seit dem Sommer dieses Jahres bereichert die Künstlerin Susanne Keller ganz offiziell die Kunstszene Mönchengladbachs. Eine Jury bestehend aus Susanne Titz, Bernhard Jansen, Eva Carolin Eick, Ulle Krass und Andreas Blum entschied über die Aufnahme von Susanne Keller in die städtische c/o-Künstlerförderung. Im September nahm sie zum ersten Mal am parc/ours-Wochenende teil, und zeigte ihre Arbeiten in ihrem Wohnatelier an der Kaiserstraße.

Susanne Keller wurde 1980 in Siegburg geboren. Nach dem Abitur absolvierte sie ein Kommunikationsdesignstudium in Mainz. Aber das freie Malen und Zeichnen, das sie ihr Leben lang begleitet hatte, ließ sie nicht los. Also bewarb sie sich an Kunstakademien und kam an die Kunstakademie in Münster, wo sie bei Guillaume Bijl und Ayse Erkmen lernte.

Zusätzlich studierte Keller Kunst für das Lehramt. Das Referendariat schloss sie in Kempen ab, es folgten Festanstellungen in Krefeld und schließlich in Mönchengladbach. Seit 2016 arbeitet Susanne Keller als Kunstlehrerin am Gymnasium Am Geroweiher.

Die Malerin und Zeichnerin arbeitet auf großformatigem Papier und Leinwand. Zwei Meter in der Höhe und 1,50 Meter in der Breite, das umschreibt die Reichweiter ihrer Arme. So kann sie das Papier, die Leinwand ganz erfassen. Das Papier liebt sie übrigens besonders: es bietet ihr den nötigen Widerstand. „Sehnsucht nach noch größerem Format“, hat sie. Es sei, so erklärt sie, „als bräuchten meine Figuren eine Bühne.“ Gut kann sie sich auch vorstellen, dass die hybriden Wesen aus einer anderen Welt, die oft an Aliens erinnern, irgendwann einmal ins Dreidimensionale übersetzt werden.

Doch bislang ist die Bildwelt die ausschließliche Welt der Figuren. Sie wirken, als seien sie aus anderen Welten und Planeten auf der Erde gelandet, sie erinnern mal an surreale Wesen, mal an Wesen, die aus organischen Strukturen entstandenen sind. „Traumwandlerische Figuren“, so wird es in der Beschreibung der Jury formuliert, „die der Schwerkraft nicht zu unterliegen scheinen.“

„Da gibt’s noch welche, die rauskommen wollen“, sagt Susanne Keller. Vorzugsweise arbeitet sie an drei großen Bildträgern zugleich. Sie beginnt rein intuitiv mit der Entwicklung ihrer Bildwelten. Im zweiten Schritt nimmt sie das Denken hinzu. „Jetzt wird’s schwierig: man darf nicht zu früh, aber auch nicht zu spät den Kopf einschalten.“ Da hilft das Arbeiten an mehreren Bildern gleichzeitig. Susanne Keller kann immer wieder den Prozess wechseln. Das Ende des Malprozesses braucht erneut die rationale Überlegung, um die Komposition stimmig zu machen.

Kellers Arbeiten sind von großer Komplexität geprägt: da ist die rätselhafte Bildwelt voller fremder Wesen, da ist die spannungsvolle Mischung von malerischen und zeichnerischen, fast haptischen Komponenten wie Gefäße, technische Elemente – ohne die Malerei scheint die Zeichnung nicht auszukommen (und umgekehrt) – da ist ein subtiler Humor in ihren Bildern. „Ich wünsche mir, dass die Bilder Freude machen und den Betrachtern etwas geben können.“

Woher diese Wesen kommen? „Sie spiegeln Anteile von Persönlichkeiten, meiner eigenen wie die anderer Menschen“, erklärt Keller. Jeder, und das macht die Bilder besonders, findet etwas von sich selbst in ihnen wieder.