Mönchengladbach: Stephanie Borkenfeld-Müllers spielte für Notre Dame

Benefizkonzert in Mönchengladbach : Musikalische Huldigung für Notre Dame

Die Odenkirchener Kantorin Stephanie Borkenfeld-Müllers wiederholte als Benefizkonzert in St. Laurentius das Programm „Toccata!“, das sie im Oktober in der Kathedrale Notre Dame zu Paris vorgetragen hatte. Die Kirche war voll.

Als Stephanie Borkenfeld-Müllers am 15. April von dem verheerenden Brand in der Kathedrale Notre Dame erfuhr, beschloss sie spontan, ein Benefizkonzert zu veranstalten, dessen Erlös für den Wiederaufbau des Pariser Wahrzeichens bestimmt ist. In derselben Nacht rief der 20-jährige Gelsenkirchener Komponist Marc L. Vogler sein Notenprogramm am PC auf und begann eine Hommage an Notre Dame zu schreiben. Im Stil einer aus Elementen der Improvisation gespeisten „Toccata“ entstand ein Gedenkstück, das an die Improvisationen des ehemaligen Titularorganisten von Notre Dame, Pierre Cochereau, und seines Nachfolgers Olivier Latry erinnert.

Der junge Komponist war unter den mehr als 400 Besuchern in der fast vollbesetzten Pfarrkirche St. Laurentius, als Stephanie Borkenfeld-Müllers Voglers „Pour Notre Dame de Paris“ an der imposanten Rensch-Orgel anstimmte. Staatssekretär Günter Krings (CDU) hatte vor dem Konzert den symbolischen Rang von Notre Dame erläutert. „Dieses Wiederaufbauprojekt kann als Sinnbild der deutsch-französischen Freundschaft gelten“, sagte der Staatssekretär aus dem Innenministerium.

Die Solistin an der dreimanualigen Rensch-Orgel gab zu, dass „ihre“ 1997 erbaute Orgel zwar nicht vergleichbar sei mit dem fünfmanualigen Registerwunder Cavaillé-Colls in Notre Dame. Doch nicht nur Odenkirchener wissen, dass die Disposition des Instruments aus der Werkstatt Richard Rensch an französischen Vorbildern ausgerichtet ist.

Und so passte das Soloprogramm „Toccata!“, das Borkenfeld am 13. Oktober 2018 am Spieltisch der ehrwürdigen Kathedrale zu Paris aufgeführt hatte, ganz vorzüglich auch nach Odenkirchen. Was das brillante, technisch wie musikalisch hoch anspruchsvolle Orgelkonzert so besonders machte, war die Präsentation. Auf der Orgelbühne wurde das Spiel der 1965 geborenen Organistin von einer Videokamera aufgenommen und zeitgleich auf eine Leinwand gebeamt. So konnten die Zuhörer auch visuell beeindruckt miterleben, wie Borkenfeld-Müllers, beim Umblättern und Registrieren unterstützt von Tochter Julia, ihre Spitzenqualität als erfahrene Interpretin an Spieltisch und Pedal beglaubigte.

Acht unterschiedliche Modelle der Toccata-Form von sechs Komponisten erklangen. Fordern Eugène Gigout oder Charles Marie Widor wilde Läufe und satte Fanfaren, setzt der Waliser Robert Jones eher auf zarte, pastellene Farben oder lebt liedhaft-fröhliche Themenideen aus.

In Marc Voglers Huldigung mussten die Besucher in der Odenkirchener Pfarrkirche ein paar verfügte Dissonanzen und schrille Cluster, also disharmonische Tonballungen, sowie experimentelles Pedalgegrummel hinnehmen. Ein Aha-Erlebnis bescherten Voglers Zitate aus Tschaikowskys Ouvertüre „1812“ und der Marseillaise. Zwei postimpressionistische Stücke aus Léon Boëllmanns Suite gothique beschlossen das famose Konzert.

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