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Mönchengladbach: Stephanie Borkenfeld-Müllers Kantorin in St. Laurentius

Kirchenmusik in Mönchengladbach : Die strahlende Kantorin von St. Laurentius

Seit 30 Jahren ist Stephanie Borkenfeld-Müllers Kantorin in St. Laurentius Odenkirchen. Ein Blick zurück nach vorn.

Dieses Strahlen, das aus dem Brennen für die Sache, einer großen Portion Professionalität und einer herzlichen Begeisterung gespeiste Eintreten für ihre musikalischen Vorhaben, begegnete dem Autor schon bei seiner ersten Begegnung mit Stephanie Borkenfeld-Müllers. 23 Jahre ist‘s her. Damals leuchtete die junge Kantorin von St. Laurentius Odenkirchen vor „ihrer“ neuen Rensch-Orgel, die sie allen Widrigkeiten zum Trotz im siebten Jahr ihrer Anstellung als Kirchenmusikerin endlich fertig vor sich hatte: das große, bedeutende Instrument, das Odenkirchen zu einem kirchenmusikalischen Zentrum im Süden der Stadt aufwerten sollte. Damals, 1997, hatte die 1965 in Waltrop geborene junge Mutter das erreicht, weshalb sie die Organistenstelle angenommen hatte. Das war im April 1990 gewesen, der Ostergottesdienst ihre erste Amtshandlung.

Heute strahlt Stephanie Borkenfeld-Müllers immer noch. Etwa wenn sie vor ihren Chören steht. Dem immer noch respektablen Kirchenchor; dem über 100 Stimmen zählenden Projektchor, mit dem sie seit 2006 die großen Oratorien aufführt; diversen Kinderchören; dem Gesangsensemble „cantica vobis“. Vor ein paar Jahren wurde sie vom Deutschen Chorverband zur Chordirektorin ernannt. „Wenn ich mal träumen darf, so wünschte ich mir noch ein Ensemble, das sich einzig der Musik Johann Sebastian Bachs verschreibt“, sagt sie. Das jüngste Vorhaben, aus Anlass ihres Jubiläums ein Festkonzert mit musikalischen Freunden und Ensembles für den Kinderschutzbund zu veranstalten, ist Corona zum Opfer gefallen (und wird vielleicht später nachgeholt). Was sie aber nicht hindert, sich in den Mittelpunkt der orchestralen Aufführung einer Orgelsinfonie zu wünschen. „Musik ist sowas Schönes! Das beflügelt mich.“

Viel hat sich geändert in diesen 30 Jahren Kirchenmusikdienst. „In meiner Anfangszeit hatte ich unter der Woche drei Messen zu spielen, dazu regelmäßig Andachten. Heute versuchen wir, wenigstens einmal monatlich ein Abendlob hinzukriegen“, sagt die Frau, deren Begeisterung auch für den Glauben in vielen musikalischen Aktionen spürbar ist. Am Anfang mit voller Stelle angestellt, hat sie inzwischen, um für unterrichtliche Tätigkeiten etwa in Verbindung mit der Musikschule Grevenbroich Zeit zu haben, auf eigen Wunsch auf 63 Prozent reduziert. „Überall, bei Jung und Alt, spüre ich ein großes Bedürfnis nach Musik. Nur schade, dass die Bereitschaft, sich regelmäßig an einen Chor zu binden, abnimmt“, sagt sie.

Stephanie Borkenfeld-Müllers stammt aus musikalischem Haus, schloss ihr Kirchenmusikstudium in Düsseldorf mit dem A-Examen ab, hing Instrumentalpädagogik im Hauptfach Cembalo an, wo sie der Rat des damaligen Regionalkantors Hans Egon Dülks erreichte, sich nach Odenkirchen zu bewerben. Auf der seit 1992 geplanten Rensch-Orgel gastieren inzwischen regelmäßig international renommierte Organisten, die Kantorin selbst konzertiert regelmäßig im In- und Ausland. Regelmäßige Abendmusiken, Teilnahme am Weihnachtsliedersingen auf dem Rheydter Marktplatz, Mitwirkung bei Theater-Projekten sind einige weitere Aktionen, mit denen sie ihre Begeisterung für die Musik in die Stadt trägt. Neben Ehemann und zwei erwachsenen, musikalischen Kindern hat die Kantorin noch Zeit für den Garten, ein gutes Buch, Wanderungen im Gebirge und zum Laufen. Ihre Energie scheint unerschöpflich. Wie ihr Strahlen.