Mönchengladbach Stephan Balkenhol stellt in der Galerie Löhrl aus

Ausstellung in Mönchengladbach : Ein gern gesehener Gastkünstler

Der renommierte Bildhauer Stephan Balkenhol bestreitet alle zwei Jahre eine Einzelausstellung in der Kunstgalerie Löhrl. Charakteristisch für Balkenhol ist die ausdrucksstarke Oberflächengestaltung von Holzfiguren und -reliefs.

Es ist, als würde die Holzfigur einer Katze den Betrachter eindringlich ansehen. Doch ehe es möglich ist, den Blick aufzufangen, ist er schon wieder entglitten. In diesem merkwürdigen Widerspiel von Nähe und Distanz ist die Arbeit charakteristisch für Stephan Balkenhol. Denn auch bei seinen vertrauteren menschlichen Figuren geht der Blick irgendwie immer ins Ungewisse.

„Er ist eher bekannt für den Mann mit dem weißen Hemd. Doch auch das ist Balkenhol“, sagt Christian Löhrl in der Ausstellung an der Kaiserstraße vor der „Katze“ mit dem scheinbar struppig widerspenstigen Fell. Dessen Struktur ergibt sich über stehen gelassene Arbeitsspuren. Sie sind Ausdrucksträger und erzählen zugleich, wie der Künstler mit schwerem Gerät bis hin zum filigranen Werkzeug dem Holz seine Figur entlockte. Hier muten feine Splitter an wie textile Fasern. Entstehen Risse, dürfen diese bleiben. Schließlich arbeitet das Material, und auch das soll im Werk sichtbar sein. Natürlich ist in der Ausstellung ebenso der Mann mit weißem Hemd unter den 12 Arbeiten präsent – als freistehende Figur und im Relief. Der Figurentypus steht für eine vertraute Seite des Künstlers, der zugleich mit Unbekanntem überrascht.

Balkenhol ist eine feste Größe im Rahmen der Ausstellungsaktivitäten im Hause Löhrl. 1983, da war Balkenhol noch Student, hatte ihm die Galerie auf der Art Cologne eine Förderkoje eingerichtet. „Mein Vater war durch Prof. Ulrich Rückriem, einem der wichtigsten Steinbildhauer, auf ihn aufmerksam geworden“, sagt Christian Löhrl. 1984 hatte die Galerie, damals im Haus Zoar, Balkenhol im Rahmen der „Impulse-Reihe“ eine erste Einzelausstellung ausgerichtet und abermals Weitsicht bewiesen. Denn in den 1980er Jahren war die figürliche Gestaltung nicht en Vogue. Inzwischen ist der Künstler alle zwei Jahre mit seinen Werken zu Gast und kommt somit bei den Löhrls auf 18 Einzelausstellungen und fünf Messebeteiligungen. „Da ist mittlerweile eine Freundschaft gewachsen“, sagt Löhrl. Er schätzt an dem Künstler, dass der die figürliche Holzfigur neu erfunden und sich gegen den Markt etabliert hat.

„Balkenhol hat einmal zu mir gesagt, wenn ich es schaffe, dass jemand bei meinen Skulpturen nicht fragt ´wer bist du, was denkst du`, sondern das Verhältnis zwischen Werk und Raum sieht, dann ist es gut“, berichtet Löhrl. Balkenhol erreicht sein Anliegen über Minimalisierung. Der renommierte Bildhauer thematisiert keine erhabenen Größen, sondern Durchschnittsmenschen. Alle Arbeiten verraten, aus welchem Material sie gearbeitet sind. Das ist in den meisten Fällen Holz. Dabei sind die Figuren nicht aufgesetzt, sondern mit Podest meist aus einem Stück herausgearbeitet.

Zu den Überraschungen der Ausstellung zählt die Hommage an einen Fasan. Für die Arbeit hat der Künstler das beleuchtete Foto einer Autobahn auf Holz gedruckt. Die Ansicht führt in die Tiefe, während der aus der Holzfläche herausgearbeitete Fasan dem Betrachter nah und in der Oberfläche strukturiert ist. Ein zweiteiliger Holzschnitt assoziiert in markanten und schwungvoll anmutenden Furchen die Lineatur einer Zeichnung. Ausdrucksstark spielt Balkenhol hier mit dem Offensichtlichen und dem Verborgenen, in dem er einige Spuren mit Farbe füllt. Zeichnungen und Bronzeeditionen ergänzen das Oeuvre. „Die Bronzeeditionen hat Balkenhol meist zur Unterstützung von Charity-Aktionen und zur Finanzierung von Großprojekten in öffentlichen Räumen herausgegeben. Darüber ist ein sehr schönes, spezielles Oeuvre entstanden“, erzählt Löhrl.

Voraussichtlich im September zeigt die Galerie alle bis dahin entstandenen Bronzeeditionen des Künstlers.