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Mönchengladbach: Schwarzer Humor von Georg Kreisler im Bunker Güdderath

Wiener Schmäh im Bunker Güdderath : Pointen wie Zuckerwatteknallbonbons beim Kreisler-Abend

Patrick Hahn performt extrem smart die bitterböse Abart des Wiener Schmäh im Bunker Güdderath. Das Publikum ist dabei restlos amüsiert.

Wenn der jüngste Oberbürgermeister aus NRW den jüngsten Generalmusikdirektor des Landes ansagt, wird’s lustig. Jedenfalls wenn darauf Georg Kreisler folgt, der geniale Schwarzhumoriker.

Im Bunker Güdderath, wo seit etlichen Jahren das Ehepaar Petz/Sacher Kunst und Konzert einen ganz außergewöhnlich reizvollen Raum bereitet, hat am Wochenende die vierte „Herbstzeitlose“ begonnen. Das Festival hat dank finanzieller Unterstützung von Stadt und Land diverse Lockdowns offenbar unbeschadet überstanden, denn auch dieses Jahr haben sich äußerst interessante Künstler angesagt, einen Beitrag zum Thema „Menschliche Stimme“ zu leisten. Die Sopranistin Dara Hobbs kommt mit Strauss und Wagner, die famose Salome Kammer mit akrobatischen Stimmexperimenten, der Geiger Linus Roth darf mit seiner Geige singen, um nur einige Höhepunkte zu nennen.

Von Felix Heinrichs eingeführt, rauscht mit fulminantem Tusch Patrick Hahn über den Begrüßungsapplaus hinweg ins Programm, mitten hinein in die Welt des Erfinders der bitterbösen Abart des Wiener Schmäh, der in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden wäre. Nun ist der 27-jährige aus Wuppertal gebürtiger Grazer, also dem großen Georg Kreisler muttersprachlich nahe. Er versteht es zudem ganz vorzüglich, dessen einzigartige Kunstfertigkeit am Klavier nachzubilden. Außerdem verfügt er über einen wunderbar sitzenden hellen Tenor, der Kreislers Sprech-Gesang überraschend nahekommt. Zum Überfluss moderiert er extrem smart, spielt fröhlich mit dem Publikum, wirft Pointen wie Zuckerwatteknallbonbons in den von rohen Betonwänden gefassten Saal.

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Das Publikum vernimmt restlos amüsiert – trotz zwar funkelnagelneuer, aber widerspenstiger Tontechnik – Klassiker wie das unsterbliche „Taubenvergiften im Park“ oder die Schmähverse auf „Musikkritiker“ und es schunkelt mit beim „Wie schön wäre Wien ohne Wiener“. Hahn zelebriert Kreislers Seitenhiebe auf die Welt der klassischen Musik virtuos auf dem Flügel, etwa beim herzzerreißend komischen „Triangelspieler“. Er hat aber auch Unbekannteres, gleichwohl erschreckend Aktuelles aus dessen Oeuvre hervorgekramt: aus den „Seltsamen Gesängen“ oder den „Seltsamen Liebesliedern“. Und während das Klavier ein ums andere Mal die Kadenzen verrutschen lässt, streicht die Katze des Hauses, Rude, Pianist wie Publikum um die Beine. Nach gut zwei Stunden mit wohligwarmer Pause im Park gibt’s den „Arschkriecher“ und „Barbara“ als Zugaben. Im Publikum schwingt noch lange Kreislers hinterhältiger Dreivierteltakt.

Nächste Termine: Liederabende mit Annette Gutjahr/Rolf Kirschbaum und Dara Hobbs/Ken Duryea am 27./28. August.