Mönchengladbach: Schüler entdecken römische Keramik

Ausstellung in Mönchengladbach : Schüler entdecken römische Keramik

Töpfern, Skulpturen basteln und das Leben der Römer kennenlernen. Damit beschäftigten sich 48 Kinder der Montessori-Grundschule. Nun präsentierten sie ihre Werke im Atelier einer Mönchengladbacher Künstlerin.

Zahra hält eine riesige getöpferte Münze in ihren Händen. Darauf hat sie ihren Namen geschrieben. Unter ihrem Namen ist ein Pferd zu erkennen. Mit Münzen hat Zahra sich intensiv beschäftigt, erfahren, dass diese bei den Römern viele Informationen gaben und oft mit Symbolen geschmückt waren. Sie hat sich für ein Pferd entschieden. So wie es auch auf römischen Münzen zu sehen war.

„Römer zum Anfassen“ – unter diesem Motto hat Claudia Schrammen-Herrmann im Rahmen des Landesprogramms Kultur&Schule ein Schuljahr lang mit 48 Schülern der 1. bis 4. Klasse der OGATA der Montessori Grundschule Gertraudenstraße handfest gearbeitet. Nun wurden die keramischen Produkte wie Büsten, Schalen, Teller, Kutschen und Pferde öffentlich im Keramikatelier von Schrammen-Herrmann gezeigt. Es wimmelte und wuselte nur so von großen und kleinen Besuchern der Ausstellung.

Die 56-jährige Mönchengladbacher Keramiker-Künstlerin führt seit vielen Jahren ihr Atelier an der Mülfortstraße an genau der Stelle, wo sich zu Zeiten der Römer schon einmal eine Töpferwerkstatt befand. Da liegt die Beschäftigung mit den Römern gewissermaßen auf der Hand. Überhaupt war Mülfort in der Antike römisch geprägt. Es gab unter anderem eine Zollstation.

Schrammen-Herrmann hat die Schüler des Projekts, aufgeteilt in kleineren Gruppen, mit vielen Geschichten an die Römerzeit herangeführt und alles Erlernte in Ton umsetzen lassen, getreu dem Motto „Römer zum Anfassen“. Da gab es die Geschichte vom kleinen Römerjungen Aemilius, dessen Onkel ihm ein Pferd mit Wagen schenkte. Nicht nur formten die Schüler daraufhin sehr originalgetreue Pferde mit Kutschen, die wunderbare gestempelte Räder besitzen. Die neunjährige Hannah hat die Geschichte von Aemilius weiter- und umgesponnen: In ihrer Version ist es die Geschichte eines Bauernmädchens, das zu einem Kaiser kam, vor lauter Heimweh aber ausbüchste. Hannah hat das Projekt sehr genossen. „Frau Schrammen-Herrmann hat schöne Ideen“, sagt die Schülerin. Hannah war schon vorher in der Töpfer-AG und ihre Vorkenntnisse kamen ihr, wie sie glaubt, sehr zugute.

Aber alle Teilnehmer, so Schrammen-Herrmann, haben sich freudig eingelassen auf das Angebot, haben gerollt, gewalzt, geformt, gestempelt. Und so das Handwerk gelernt. Und viel über die Römer: wie haben sie gegessen, wie sah ihr Geschirr aus, hatten sie ein Erntedankfest, wie verlief ihr Alltag, wie sahen Kleidung und Schmuck aus, wie sahen sie selbst aus – alles Fragen, die, so Schrammen-Herrmann „unter die keramische Lupe genommen“ wurden.

Die Schüler lernten, dass es wenige Farben bei den römischen Keramiken gab – und setzten sich darüber hinweg. „Künstlerische Freiheit“, meint Schrammen-Herrmann ganz entspannt. So mischte eine Schülerin das Rot (Symbol für Macht) mit dem Weiß (Symbol für die Sklaverei) und hatte ihr Pink, mit dem sie die Kleidung einer Römerin bemalte.

Marion Bonni, eine Gruppenleiterin der OGATA ist begeistert von dem, was entstanden ist. Das Projekt Kultur&Schule, so Bonni, ermöglicht Dinge, die sonst finanziell nicht zu stemmen wären.