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Mönchengladbach: Ruth Zadow stellt im EA71 Illustrationen aus

Illustrationen von Ruth Zadow im EA71 : Auf den Spuren eines vergessenen russischen Dichters

In der Ausstellung „Auf immer Neues“ erweckt Ruth Zadow mit ihren Illustrationen Gedichte von Daniil Charms zu neuem Leben. Alles Infos.

Ruth Zadow ist freiberufliche Illustratorin und Grafikerin. Sie kann auf eine große Bandbreite an Techniken zurückgreifen: Acrylmalerei, Collage, Zeichnungen, Linol- und Stempeldruck. Diese Techniken kombiniert sie in ihren Arbeiten immer wieder zu verblüffenden Ergebnissen.

Zurzeit präsentiert Ruth Zadow im Projektraum EA71 ihre Ausstellung „Auf immer Neues“. Den Arbeiten zugrunde liegen Texte des russischen Dichters Daniil Charms, der von 1905 bis 1942 lebte. Er war weitgehend erfolglos, da mit einem Berufsverbot belegt und verhungerte im Gefängnis. Seine Texte aber, auf kleinen unscheinbaren Zetteln notiert, überlebten. Ruth Zadow entdeckte den Dichter und seine Texte 2004 und beschäftigte sich in ihrer Diplomarbeit mit ihm. „Ich mag seine Texte, sie sind ganz frei und weisen viele lose Enden auf“, beschreibt Zadow, warum sie sich zu den Gedichten ohne Reime hingezogen fühlt. Vielleicht auch, weil Charms selbst zeichnete und Geheimschriften entwickelte.

Unter dem Titel „Neue Anatomie“ notierte Charms: „Einem kleinen Mädchen wuchsen an der Nase zwei blaue Bänder. Ein seltener Fall, denn auf dem einen Band stand ‚Mars‘ geschrieben, auf dem anderen ‚Jupiter‘. Über drei quadratische Holzplatten hinweg malt Zadow das zwischen Mars und Jupiter hin- und her gerissene Mädchen. Die Holz- und Pappplatten liegen zu einem von der Künstlerin angeordneten Muster auf dem Boden des Ausstellungsraums. Doch wie die von ihr so benannten losen Enden der Texte sind auch die Platten lose: jeder Besucher kann sie zu einem neuen Muster zusammenstellen. Zadows Kunst bleibt lebendig, veränderbar, im Fluss.

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Eine besondere Arbeit der Grafikerin und Illustratorin ergießt sich förmlich in den Projektraum: mit Buchstabenstempeln hat sie ohne Leerzeichen einen langen Text auf eine von der Wand bis auf den Fußboden reichende Papierbahn gedruckt. Heller und dunkler werden die Buchstaben, eine charmante Nebenwirkung des Stempelns. Darunter und darüber liegen abstrakte Linien und Tuscheflecken – ein spannungsvoller Kontrast zu den übrigen figürlichen und ganz konkreten farbigen Zeichnungen von Ruth Zadow. Ein kleiner Lesetisch im EA 71 lädt ein, in den Gedichten von Charms zu stöbern.

Die Ausstellung „Auf immer Neues“ ist bis zum 30. Januar samstags und sonntags von 12 bis 16 Uhr im Projektraum EA71 auf der Eickener Straße 71 zu sehen. Es gelten die 2G-Regel sowie die Maskenpflicht.