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Mönchengladbach: Rheydts neuer Kantor Pascal Salzmann beim Musiksommer

Kirchenkultur in Mönchengladbach : Neuer Kantor überzeugt beim Sommerkonzert

Der 27-jährige Pascal Salzmann übernimmt zum 1. Februar 2022 das Amt des Kantors der evangelischen Hauptkirche in Rheydt. Er löst Udo Witt ab. Im Zuge des „Rheydter Musiksommers“ zeigte Salzmann am Cembalo erstmals vor Ort sein musikalisches Können.

Wolfgang Amadeus Mozart hat „teuflisch gute Kirchenmusik“ (SWR) geschrieben. Davon zeugen seine 17 einsätzigen Kirchensonaten, die er zwischen 1771 und 1780 verfasste, und die im Salzburger Dom anstelle des gesungenen Graduale musiziert wurden.

Die letzte Sonate vom März 1780 eröffnete jetzt ein Konzert im sehr beliebten „Rheydter Musiksommer“, das zudem eine faustdicke Überraschung bot. Die „Kirchensonate C-Dur  für zwei Violinen, Orgel, Violoncello und Continuo“ wurde zwar noch an der Truhenorgel als Solist von Kirchenmusikdirektor Udo Witt gespielt, aber im Continuo saß die „Überraschung“ am Cembalo:  Pascal Salzmann (27) ist der neue Kantor an der evangelischen Hauptkirche in Rheydt und tritt zum 1. Februar 2022 die Nachfolge des dann pensionierten Udo Witt an. Zur Zeit ist er Organist an der Stadtkirche in Waldbröl und hat dort im vergangenen Jahr auch einen „Musiksommer“ geschaffen.

Pascal Salzmann hat am Goethe-Gymnasium Rutheneum sein Abitur gemacht, das seit 1608 in Gera besonders Spezialklassen für Musik fördert. Anschließend studierte er A-Kirchenmusik in Weimar, unter anderem beim Domorganisten Silvius von Kessel und widmete sich dann in weiterführenden Studien der Kirchen- und Kammermusik. Zudem ist er seit April 2021 der Orgelsachverständige der evangelischen Kirche im Rheinland, die im März ihren neuen Präses Thorsten Latzel gewählt hat, der wiederum ein Fan der Kirchenmusik ist.

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Im Rheydter Musiksommer stellten sich Kirchenmusikdirektor Udo Witt und sein Nachfolger gemeinsam mit einem „Konzert für zwei Orgeln“ des Mozart-Zeitgenossen, spanischen Mönchs und Komponisten Antonio Soler vor. Weil die Orgel (Witt) im Vergleich zum Cembalo (Salzmann) das Konzert zu voluminös abbildete, vor allem aber, weil beide Instrumente nicht optimal aufeinander abgestimmt waren, geriet dieses Werk nicht zur Offenbarung.

Eine solche Offenbarung lieferte aber dann Salzmann als Solist am Cembalo mit der „Suite A-Dur“ von Georg Friedrich Händel. Sie steht im Zentrum des Händelschen Klavierwerkes von 1720, bietet nach einem virtuos bewegten Präludium drei Tanzsätze, bei denen vor allem die „Gigue“ brillante Wirkung besitzt und ebenso von Salzmann gespielt wurde. Mehr aber konnte seine Souveränität als Solist im „Cembalokonzert d-Moll“ (BWV 1052) von Johann Sebastian Bach  begeistern. Pathos und Leidenschaft aller drei Sätze kamen in vielen Verzierungen und Arpeggien in der wunderbaren Akustik der Hauptkirche unmittelbar und klangvoll bis zum letzten Platz der großen runden Empore – das Konzert war nur mit 150 Zuhörern pandemiebedingt ausverkauft.

Großen Anteil daran hatte auch das Kammerorchester der Hauptkirchenkonzerte unter Konzertmeisterin Johanna Brinkmann. Eine weitere Überraschung: An der zweiten Violine saß die Geigerin Anna Salzmann, die Ehefrau des soeben neu gewählten Kantors. „Summa summarum“ dieses Überraschungskonzertes: Das Presbyterium hat eine sehr gute Wahl getroffen.

Um zu entscheiden, wer die Nachfolge von Udo Witt antritt, mussten sich die 16 Bewerber einem strengen Auswahlverfahren stellen: Nachdem eine eigens eingerichtete Findungskommission die Bewerbungen gesichtet hatte, wurden sechs Musiker zum Gespräch eingeladen. Vier überzeugten und stellten sich dem Praxistest: „An zwei Tagen wurde erst mit den Chören und Orchestern geprobt“, berichtet Witt.

Anschließend zeigten die Musiker ihr Können an der Orgel. „Es musste ein großes Orgelkonzert von Bach und ein großes Konzert der Romantik gespielt werden“, erklärt Witt. Auch Improvisation und die Begleitung von Kirchenliedern standen auf dem Plan. Salzmann habe seine Zuhörer in allen Belangen überzeugt. „Ihn zu nehmen, war die absolut richtige Entscheidung“, betont Witt.