Mönchengladbach Hauptkirche : Spritzig-böser Kästner-Abend

Natürlich war am dritten Abend des Rheydter Musiksommers wieder die Musik im Spiel. Aber sie hatte diesmal nicht die Hauptrolle. Es hagelte eine Fülle ausgesprochen pointierter Texte von Erich Kästner.

Bekanntlich gewöhnt man sich ans Gute schnell, so etwa an die vollen Bänke der evangelischen Hauptkirche Rheydt. Was ist überhaupt das Gute? Wilhelm Busch meinte seinerzeit, es sei stets das Böse, das man lässt. Und von Erich Kästner kennen wir: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“ Mit einer Fülle pointierter Kästner-Sätze (Epigramme) wartete das Berliner „Duo Klarton” mit dem Chansonier Peter Siche und dem Pianisten Klaus Schäfer auf: „Alles könnte geschehen, aber nur manches geschieht“, „Merke dir, weil es immer gilt: Der Fotograf ist nie auf dem Bild“, „Da hilft kein Weinen, hilft kein Beten. Die Nachricht stimmt! Der Liebe Gott ist aus der Kirche ausgetreten.“

Mit solchen scharfen Kästner-Sätzen war das Publikum schnell gewonnen. Weniger gut lief es bei den Gedichtvertonungen. Das Problem steckte nicht im Inhalt. Peter Siche sprach die Texte ins Mikrophon und war damit gut zu verstehen. Um lockerer agieren zu können, verzichtete er beim Singen auf Verstärkertechnik. Das war gut gemeint. Aber unter den Bedingungen der Kirchenakustik mit ihrem Nachhall erwiesen sich die Texte dadurch als schwer verständlich. Das führte schon bald unter den Zuhörern zu Raunen und Murren – bis eine Zuhörerin nach vorne ging und beherzt um den Einsatz des Mikros auch bei den Liedern bat. Peter Siche verschloss sich der Bitte nicht, und danach fanden auch die Vertonungen viel Resonanz im Publikum.

Sie beruhten auf teils bekannten, teils weniger bekannten Gedichten. Die meisten der eingängigen Vertonungen stammten von Holger Münzer, zwei steuerte Pianist Klaus Schäfer bei. Am Rande vermerkt: Schäfer stammt aus Rheydt, wo er seine Abiturprüfung am Hugo-Junkers-Gymnasium im selben Jahr wie Kirchenmusikdirektor Udo Witt bestand.

Allen Gedichten war die für Kästner typische Gleichzeitigkeit von pessimistischer Sicht und geistreicher ironischer Zuspitzung eigen. Und man kann die Gesellschaftskritik Kästners – leider – nicht als veraltet abtun. Aus bösem Trott auszubrechen, ist nicht einfach. Das machte die abschließende Utopie vom 13. Monat unmissverständlich klar. Den gibt es nicht, und darum bleibt alles Schlechte beim Alten.

Nach herzlichem Beifall gab es noch „einen kleinen Zugaben-Strauß“ mit markantem Kästner-Biss: „Wir sitzen alle im gleichen Zug – und viele im falschen Coupé“. Und, nicht zu vergessen: „Seien wir ehrlich: Leben ist immer lebensgefährlich“.

Für den Donnerstag, 9. August, 19.30 Uhr, verspricht das nächste Konzert in der Hauptkirche einen spritzigen Liederabend (vom Kunstlied bis zum Musical) mit der Sopranistin Evelyn Ziegler und Udo Witt am Flügel.