Mönchengladbach: Rheydter Musiksommer mit Harfe und Orgel

Mönchengladbach : Harfe und Orgel in der Rheydter Hauptkirche

Giedre Siaulyte entlockte ihrer Harfe Töne, die an das Rauschen des Windes im Wald oder das Sprudeln von Quellwasser erinnerte.

„Unheimlich romantisch“ würde der Abend werden, versprach Udo Witt den vielen Zuhörern, die zum fünften und damit vorletzten Konzert des Rheydter Musiksommers gekommen waren. Was die fast alle im 19. Jahrhundert geborenen Komponisten betrifft, gab es auch überhaupt keinen Grund, daran zu zweifeln.

Vor allem waren zwei Instrumente im Einsatz, die für den romantischen Klang geradezu prädestiniert sind, die Harfe und die Orgel. Genauer: Harfe und Orgel in der besonderen Bauart, wie sie in der Evangelischen Hauptkirche zu hören waren.

Vor kurzen war in der benachbarten Stadt Kempen ein Instrumentenbauer zu Gast, der Harfen alter Bauart vorstellte. Und die klangen bei weitem nicht so romantisch wie die heutigen mit ihren ausgefeilten Resonanzräumen und dem komplizierten Pedalsystem, das ein Spiel in allen Tonarten ermöglicht. Mit einer solchen modernen Konzertharfe war die in Rheydt wohnende Giedre Siaulyte auf die Orgelbühne gekommen. Und da zeigte sie die typischen klanglichen Möglichkeiten ihres Instrumentes auf. Wie der Wind durch einen Wald rauschten die Glissandi, wenn schnell und schlackenlos die Hände der Musikerin auf- und abwärts über die Saiten glitten. Mit virtuoser Leichtigkeit ging es durch die gebrochenen Akkorde (Arpeggien).

Besonders deutlich wurden die klanglichen Möglichkeiten der Harfe bei den Solostücken ohne Orgelbegleitung, so bei Saint-Saëns‘ Fantasie für Harfe solo oder Debussys Arabesque Nr 1. „La source“, also die Quelle nannte der belgisch-französische Harfenist Alphonse Hasselmans seine Komposition, in der man tatsächlich glauben möchte, zwei Harfen zu hören. Eine, so schien es, spielte die Melodie, die andere charakterisierte das Rauschen des Quellwassers. Aber natürlich kam beides von einer Harfenistin auf einem Instrument.

Auch und erst recht für die Orgel gilt: ihr Klang ist keineswegs von vornherein romantisch. Nach dem zweiten Weltkrieg ging man mit zum Teil blindem Eifer daran, romantische Orgeln durch neobarocke zu ersetzen. Zwar hat der herbe Klang von Barockorgeln durchaus seinen Reiz, das bestreitet auch niemand. Aber als Udo Witt beispielsweise von Rheinberger ein Intermezzo oder den „Abendfrieden“ spielte, da freute man sich doch, dass in der Hauptkirche die romantische Sauer-Orgel bis heute erhalten blieb. Und natürlich passten Harfe und Orgel bestens zusammen, ob in der Bearbeitung des Adagietto aus Mahlers 5. Sinfonie oder bei César Francks „Prélude, Fugue et Variation“ op. 18.

Händels berühmtes Largo aus seiner Oper „Xerxes“ stammt zwar nicht aus dem 19. Jahrhundert. Aber so romantisch, wie häufig vorgetragen, rundete diese Arie als Zugabe natürlich doch trefflich den Abend ab.

Beim nächsten Mal sind wir dann schon wieder am Ende des Rheydter Musiksommers angelangt. Noch einmal geht es musikalisch ins 19. Jahrhundert, dann aber mit Holzbläsern und Horn.

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