Mönchengladbach-Rheydt: Kunstprojekt Neuland zeigt bunten Teppich und Geschichten

Kunstprojekt Neuland in Rheydt : Bunter Teppich aus Stoffen und Geschichten

Noch bis 8. September sind Anwohner und Passanten eingeladen, am „Teppich für Rheydt“ zu weben. Mit dem Kunstprojekt „Neuland“ füllen Montag Stiftung und Künstler Leerstand mit neuem Leben.

Im leerstehenden Ladenlokal an der Hauptstraße 12 nahm der Teppich für Rheydt am 8. Juni seinen Anfang. Inzwischen ergießt er sich kraftvoll hinaus in die Fußgängerzone – herrlich bunt und kuschelig weich. Viele haben daran mitgewirkt, ihn entstehen zu lassen, Tücher und Stoffe hergeschenkt und damit auch persönliche Erinnerungen. Denn jedes Teil hat seine eigene Geschichte, und sollte eine fehlen, wird eine nette Begebenheit angedichtet. Unter dem Titel „Neuland“ laden die Montag Stiftung Kunst und Gesellschaft sowie einige Künstler zur Kunstaktion zum Mitgestalten ein.

Unterstützt werden sie von anderen Initiativen und Studenten. Erklärtes Ziel ist, Leerstand mit neuem Leben zu füllen und zumindest auf Zeit aus Konsumenten Produzenten zu machen. „Der Teppich ist das Herzstück“, sagt Teresa Grünhage, Projektmanagerin der Montag Stiftung Kunst und Gesellschaft. Die Initiatoren haben das komplette Ladenlokal mit minimalistischen Mitteln in einen großen Webstuhl verwandelt. Dank der Fenster auf der rückwärtigen Empore ist der Raum nicht nur vom Eingang her von Licht durchflutet. Bisher ist der Teppich auf 15 Meter angewachsen. Sollte sein Wachstum entsprechend zügig fortschreiten, dürfte er am Ende der Aktion mindestens 30 Meter erreichen. Am Blumensonntag soll das Gemeinschaftswerk auf der Hauptstraße ausgelegt werden. „Dann brauchen wir einen Kran oder eine Gruppe starker Menschen“, sagt Ruth Gilberger glücklich über eine überwiegend gute Resonanz. Der Chefin der Montag Stiftung für Kunst und Gesellschaft ist es ein Anliegen, das Potential des Leerstandes in der Einkaufsstraße zu nutzen. „Es geht uns darum zu sehen, was passiert, wenn Freiräume neu gefüllt werden“, betont sie. Fast mit Erstaunen beobachten Grünhage und Gilberger die überwältigend große Bereitschaft, Dinge mit persönlichem Bezug abzugeben, um gemeinschaftlich etwas Neues entstehen zu lassen. „Die Menschen haben uns teilweise berührende Details zu den Stoffen erzählt“, sagt Gilberger.

An einer Wand sind „Stoffproben“ von den verwendeten Tüchern zur Ausstellung gereiht. Den auf Papier gehefteten Fragmenten sind persönliche Aussagen zur Seite gestellt. Ein türkischer Nachbar zum Beispiel hat ein Stück vom Vorhang gestiftet, den die Mutter für ihn nähte, ehe er die Heimat verließ. So deuten wenige Zeilen Geschichten von Migration, überwundener Krankheit und Glück an. Auf der Empore im hinteren Teil bauten die „sculpturetone“ -Künstler Wolfgang Stamm und Axel Schweppe Klangtürme aus Schüsseln unterschiedlicher Größe. Pfannen und weitere Küchenutensilien stehen bereit für experimentelle Klangwelten. Kinder aus verschiedenen Nationen üben sich in Rhythmen, zuweilen mitreißend gekonnt.  „Das funktioniert hervorragend“, sagt Klangkünstler Schweppe erfreut über die Lust an spontanen Einlagen. „Wir können nicht klären, was sich als Alternative für den Leerstand anbietet. Doch während des Projekts können wir Menschen zu Produzenten machen und sie teilhaben lassen an einer neuen Form des Miteinanders“, sagt Gilberger. Für die Zeit nach der Kunstaktion wünscht sie dem Teppich ein gutes Zuhause.

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