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Mönchengladbach: Quintett Amarcord trat auf

Konzert : A-cappella-Gesang zum Niederknien

Das Leipziger Vokalensemble Amarcord begeisterte auch bei seinem dritten Besuch in St. Helena.

Leipzig ist nicht nur Literaturmetropole, auch Vokalmusik steht – Bach sei Dank – dort hoch im Kurs. Im Februar gastierte das Leipziger Calmus-Ensemble in Nettetal. Und nun gab ein weiteres renommiertes A-cappella-Quintett, Amarcord, ein Konzert in Rheindahlen. Das hatte sich herumgesprochen, und so war die Kirche St. Helena voll besetzt. Obwohl 30 Minuten nach dem Schlusston das erste Spiel mit der deutschen WM-Elf angepfiffen wurde.

Die fünf Leipziger hatten für ihren dritten Besuch in St. Helena ein Programm mit dem Titel „Collection française“ einstudiert. Genauer waren es, zumal das Repertoire bis ins 13. Jahrhundert zurückging, geistliche Werke aus dem franko-flämischen Raum. Darunter mit Rossinis „Quelques mesures de chant funèbre“ die Trauermusik aus der Feder eines Italieners. Die hatte Rossini seinem verstorbenen Kollegen Meyerbeer gewidmet.

Wer gebangt hatte, ob fünf Männerstimmen über 80 Minuten Spannung halten würden, sah solche Befürchtung schnell zerstreut. Amarcord ist fantastisch homogen in Klangbalance und -mischung, die Stimmenspreizung beschreibt zudem eine dermaßen weite Amplitude, dass man merkt: Das klingt ja wie ein kompletter gemischter Chor, nur im Kompaktformat! „Schuld“ daran ist vor allem der Tenor Wolfram Lattke, der in höchst kultivierter Tongebung ohne Registerbruch oft die Altus-Lage zuschaltet. Die anderen ergänzen diese hohe, nie aufdringliche Stimmfacette um Tenor, Bariton und doppelten Bass.

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Das „Wunder aus Leipzig“, wie Konzertorganisator Reinhold Richter eingangs versprach, erfüllte sich in einer klar strukturierten Polyphonie ruhig strömender Linien, wobei die Amarcordisten auf Opernmanieren wie Vibrato verzichteten, stattdessen den Kirchenraum zum Schwingen anregten. Fein, filigran, nie laut, vielmehr getragen von einem Gestaltungswillen, der das Gehör verzückt. Famos, wie der Bass Holger Krause auch mimisch jeden Ton so formte, dass er ein Optimum zum Gesamtklang beitrug. Das galt, zusammen mit Basskollege Daniel Knauft, auch für die soliden Bordune in einem Alleluia von Perotin sowie für die geschmeidige Verbindung der Zwischenstimmen (Frank Ozimek und Robert Pohlers). So ähnlich müssen sich Sphärenklänge anhören. Eine gregorianische Antiphon machte ahnungsvoll bewusst: Für solche Art Musik ist die Akustik von Kirchen ursprünglich ausgelegt.

Im zweiten Teil waren Sakralwerke jüngerer Zeit angesagt, und hier bewies Amarcord, dass es auch die satztechnischen Finessen eines Milhaud, Poulenc oder Jean Cras glanzvoll zu meistern versteht. Am Ende versprach Daniel Knauft dem begeisterten Publikum: „Wir kommen sehr gerne wieder.“ Na, bitte.