Mönchengladbach: Porträt des Schauspielers Joachim Henschke

Mönchengladbach : Der Grandseigneur des Theaters

Joachim Henschke war Galileo Galilei, Elvis und Jonny Cash, King Lear und König Kreon. In dieser Spielzeit ist er der Graf von Moor in „Die Räuber“, und in „Himmel über Paris“ singt er Chansons. Ein großartiger Schauspieler.

Was für ein unfassbar charmanter Mensch. Höflich, aufmerksam, zugewandt im Gespräch. Edel. Man hört dem Schauspieler Joachim Henschke gern zu, lauscht seiner markanten Stimme, beobachtet seine lebhafte Gestik, freut sich über gemeinsames Lachen. Dabei hat er die Theaterbesucher schon häufig das Fürchten gelehrt. Etwa wenn er als machtbesessener König Kreon in Sophokles’ „Antigone“ das Publikum mit seinen Worten zunächst fast gewalttätig, dann zweifelnd und am Ende zerbrochen in den Bann zieht, wenn er jeden Einzelnen in den Zuschauerrängen mit seinen ausdrucksstarken Augen zu fixieren scheint, beeindruckend in seiner ungeheuren Körperlichkeit die Bühne beherrscht. Oder als König Lear, der sich anfangs seiner Macht bewusst ist, dann zunehmend leidet und verzweifelt. Joachim Henschke spielt seine Figuren nicht, er verwandelt sich in sie.

Schon mit vier Jahren wusste er, dass er Schauspieler werden wollte. „Ich besuchte mit meinen Eltern und meinem Bruder ein Puppentheaterstück im Schützenhaus in Bremerhaven. Sie spielten den Faust“, sagt er. Der Junge war begeistert. Als er wenig später „Peterchens Mondfahrt“ im Theater erlebte, war sein Entschluss gefestigt. „Ich genoss ganz sinnlich den Zauber der Bühne, den besonderen Duft des Theaters – alles.“ Auf Wunsch des um seine Zukunft besorgten Vaters begann er eine kaufmännische Lehre – die er nach vier Monaten abbrach. Seine Eltern ergaben sich, und sein Vater bat eine Schauspielerin vom Bremer Theater, sich den Jungen doch mal anzuhören. Joachim Henschke sprach vor, und anschließend sagte die Schauspielerin zu seinem Vater: „Wenn Sie den nicht zum Theater lassen, passiert ein Unglück.“

Mit 17 begann er seine Ausbildung an der Frankfurter Schauspielschule, und schon nach dem vierten Semester wurde er von Peter Zadek ans Bremer Theater engagiert. Seine erste Rolle war Hänschen Rilow in „Frühlingserwachen“. Der 19-Jährige musste in einer Szene auf der Toilette sitzend eine Kerze anzünden und onanieren. „Das war für mich wirklich sehr schwierig, aber Zadek führte mich umsichtig. Meine Eltern saßen im Zuschauerraum und waren entsetzt“, sagt der Schauspieler. Henschke spielte mit großen Kollegen wie Jutta Lampe, Wadim Glowna, Bruno Ganz und Judy Winter. Und auf vielen Bühnen. „Die südlichste war in München, die nördlichste in Kiel, im äußersten Westen war es Aachen, im Osten waren es Berlin und Leipzig – und dazwischen ganz viele andere.“

In der Tragödie von Shakespeare war Joachim Henschke König Lear. Foto: Matthias Stutte/Stutte, Matthias (stut)

Seit der Spielzeit 1997/98 gehört Joachim Henschke zum Ensemble des Theaters Krefeld/Mönchengladbach. „Es gab viele Möglichkeiten, zu anderen Theatern zu wechseln, aber ich blieb und habe es nie bereut.“ Er ist begeistert von den „tollen Kollegen, der tollen Atmosphäre und dem tollen Intendanten Michael Grosse“. Er sagt: „Das ist ein Geschenk!“ Seine Texte spricht er auf Tonträger und hört sie immer wieder, „bis sie sich in den Kopf und den Körper eingegraben haben.“ Seine Lieblingsrolle? „Immer die, die als nächste kommt.“

Joachim Henschke ist nicht nur auf der Bühne geschminkt. Auch im alltäglichen Leben trägt er einen Kajalstrich unter den Augen. „Das habe ich schon als Kind immer gemacht“, sagt er. Und seitdem er vor Jahren in der Londoner Royal Albert Hall die Rolling Stones erlebte, mit noch mehr Überzeugung. „Ich verehre Mick Jagger.“ Und der schminkt sich auch.

Joachim Henschke Schauspieler. Foto: Matthias Stutte/Stutte, Matthias (stut)

Lampenfieber kennt Joachim Henschke nicht wirklich. „Bei mir ist es vornehmlich die Lust, auf die Bühne zu gehen und zu spielen – ich freue mich auf jeden Auftritt.“