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Mönchengladbach: Oratorium „Paulus“ von Mendessohn-Bartoldy zum Jubiläum von Klaus Paulsen

In der Münsterbasilika : „Paulus“ zum Jubiläum von Klaus Paulsen

80 Sänger, ein 40-köpfiges Orchester, zweieinhalb Stunden Konzert: Der Anlass wurde würdig gefeiert.

Fünf Minuten Bravo-Rufe waren am Sonntag nach der „Paulus“-Aufführung in der gut gefüllten Münsterkirche die Belohnung für die Musiker. Zum 40. Dienstjubiläum von Kirchenmusikdirektor und Münsterkantor Klaus Paulsen hatten sich der Münsterchor und das Orchester der Münstermusik an diesen Kraftakt von Felix Mendelssohn-Bartholdy gewagt: 80 Sänger, ein 40-köpfiges Orchester, zweieinhalb Stunden Dauer, in der Umsetzung alles andere als einfach – dieser Aufwand hat sich gelohnt. Die Gesangssolisten füllten die erzählenden Teile mit viel Emotion, der Chor ging energievoll mit, das Orchester begleitete einfühlsam und präzise. Und Klaus Paulsen als Dirigent webte aus allem einen ausgewogenen Gesamtklang.

Das Oratorium „Paulus“, uraufgeführt 1836, ist im Prinzip eine konzertante Oper mit biblischen Texten. Der Märtyrer Stephanus wird von Juden gesteinigt. Zu ihnen gehört der junge Saulus, der aber erblindet, als er das Licht Jesu erblickt. Er bekennt sich zu Jesus und nennt sich fortan Paulus.

Zarte, romantische Arien wechseln sich mit barocken Chorälen, großen Chören und expressiven Rezitativen ab, in denen die Solisten die Handlung erzählen. Das bedeutet viel Dynamik: In seinem ersten Rezitativ singt der Solo-Tenor Michael Siemon erst ruhig und weich sein Glaubensbekenntnis, dann steigert er sich zunehmend in Vorwürfe gegen die halsstarrigen Juden. Sophie Witte als Sopran erwidert darauf die romantische Jerusalem-Arie. Mit ihrer warmen, schnurgeraden, voluminösen Stimme ragt die zarte Person aus allen anderen heraus. Aber sie bekommt es hin zu strahlen, ohne die anderen Solisten platt zu machen. Auch Julia Oehmen (Mezzosopran) und Manfred Bühl (Bass) legen respektable Leistungen hin.

Der Chor übernimmt nun die Rolle des Volkes. „Steiniget ihn!“ ruft die erregte Menge, begleitet von dramatischen Streicherklängen und Paukenschlägen. Der Chor treibt die mitreißende Handlung mit Präsenz und Spannung voran. Mendelssohn-Bartholdy lässt gerade die Streicher viel zum Einsatz kommen, die auch filigrane und geläufige Passagen unangestrengt bewältigen und die freien Rezitative treffsicher mit Klangflächen unterlegen. Für einen Dirigenten gehört es zu den schwierigsten Aufgaben, Rezitative mit Orchester zu dirigieren, weil er spontan auf den Sänger reagieren muss. Klaus Paulsen hat das hervorragend im Griff, genau wie auch sonst bei ihm jeder Schlag sitzt.