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Mönchengladbach: Oper "Carmen" hat bald Permiere im Theater

Bald Premiere in Mönchengladbach : In dieser „Carmen“ ist Liebe ein Glücksspiel

Kobie van Rensburg inszeniert Georges Bizets Oper als raumgreifendes Video- und Tanzprojekt in Konzertaufstellung. Die Premiere in Mönchengladbach naht.

Die für Freitag, 10. September, terminierte Premiere der beliebten Bizet-Oper „Carmen“ stammt aus Zeiten des ersten Lockdowns und ist im vergangenen Herbst in Krefeld gelaufen. Kobie van Rensburg, einer der Stammregisseure des Gemeinschaftstheaters, dessen Inszenierungen immer wieder kreative Funken aus dem Einsatz von Video-, Bluescreen und zuletzt Virtual-Reality-Technik schlugen, hat aus der Not, das verkleinerte Orchester auf die Bühne setzen zu müssen und die Sängerinnen und Sänger davor zu postieren, eine Tugend gemacht. In seiner konzertanten „Carmen“ wird getanzt und ausgiebig dem Glücksspiel gefrönt.

 „Es ist doch ein großes Glück, dass wir die Schwingungen der Raumluft wieder miteinander teilen können“, beginnt van Rensburg das Gespräch über die Idee seiner Carmen-Arbeit, der er selbst die Vokabel „Inszenierung“ ungern zuweist. Er erschaffe vielmehr einen „digitalen Raum“, in dem Solisten und Orchester Bizets so ungemein emotionale Partitur zum Glühen bringen, in dem jedoch die Handlung neue Mittel braucht, um das Publikum zu erreichen. „Vier Tänzer verkörpern die Gefühle der vier Hauptpersonen, die digitale Form ergänzt neben der Handlung eine Projektionsfläche für weitergehende Assoziationen.“ Van Rensburg hat bewegliche Leinwände im Spielkartenformat bis in den Saal hinein, neben die Sänger und übers Orchester gehängt, auf die mit vier Projektoren das Spiel der Liebenden und des Glücks erscheint. Denn das ist van Rensburgs Zugang zum allbekannten Carmen-Stoff: Dass alles ja auch ganz anders ausgehen könnte, wenn die beiden „Liebesdreiecke“ andere Überschneidungen gefunden hätten. Also wird es auf den Karten-Leinwänden so manch überraschende „Lösung“ zu sehen geben, eine betrifft sogar das Finale, in dem – für gewöhnlich – Don José Carmen ersticht. „Auf die Perspektive kommt es an“, verrät Kobie van Rensburg vielsagend. Und fügt an: „Was wäre, wenn...“ Musikalisch präsentiert diese „Carmen“ das von Generalmusikdirektor Mikel Kütson dirigierte nicht ganz so große Orchester der Niederrheinischen Sinfoniker und acht Solisten aus dem Hausensemble. Eva Maria Günschmann ist in der Premiere die Carmen, David Esteban der Don José. Auf den Chor muss die Aufführung verzichten, ebenfalls auf viel Musik, weil die Corona-Pandemie nur 90 Minuten Spieldauer ohne Pause zuläßt. Dass diese seine neue Fassung der „Carmen“ neben den großen Emotionen auch eine neue Sicht auf die Oper ermöglicht, dessen ist sich van Rensburg sicher. Man darf gespannt sein.