Singen im Theater : Liedersingen will im Chor gelernt sein

Beim „Weihnachtslieder-Training“ im Theater hatten Erwachsene und Kinder ihren Spaß – eine Herzensangelegenheit von Leiterin Maria Benyumova und dem Opernchor.

Greta ist sechs. „Klar“, sagt sie mit großen Augen: Natürlich geht sie schon zur Schule. Und in den Kirchenchor zu Katrin Ebbinghaus. Aha, daher hat sie so ein klares, helles Stimmchen, das sich ganz wunderbar zu den Wolken aufschwingt, wie sie im Lied von den „Schneeflöckchen, Weißröckchen“ vorkommen. Greta ist mit ihrer Mama im Theater, ihrem Papa und ihrem Bruder. Der singt nicht mit, das hängt mit dem Nucki in seinem Mund zusammen. Aber die große Schwester lässt sich nicht lange bitten von Chordirektorin Maria Benyumova, die von der großen Bühne ins naja, sagen wir: mittelmäßig zahlreiche Publikum blinzelt. Immerhin hat sie die vielleicht 20 versammelten Kinder und Jugendlichen zur zweiten Strophe des süßen Schnee-Liedes zum Alleinsingen bestimmt. Nur die Frauen des Opernchores dürfen - zur Unterstützung – leise mitsingen. Und das klingt doch schon wirklich herzig, auch wenn das mit dem Text noch nicht perfekt klappt. Später machen’s aber jeweils die Männer und Frauen im Publikumschor auch nicht besser.

Das Weihnachtslieder-Training, zu dem das Theater am Nachmittag vor dem 3. Advent Jung und Alt in den großen Saal einlädt, ist offenbar eine Herzensangelegenheit der Chordirektorin, die nach der Babypause mit ihrem freundlichen, offenen Wesen wieder zurück ist im Alltag. Sie hat einen jungen Mann namens Fabian mitgebracht, der auf einem noch gar nicht so lange erfundenen Instrument namens Handpan auf seinem Schoß herumtrommelt – eine Art doppelter Blech-Wok –,  und dabei ganz wunderbar sanfte, fast meditative Klänge und Melodien erzeugt, in die sich auch schon mal ein „O Tannenbaum“ mit Moll-Begleitung hineinschmuggelt. Zu den Liedern aus dem vorher ausgeteilten Notenheft begleitet dann aber Julio Garcia Vico auf dem Klavier, er ist der Repetitor des Chorstudios.

„Singen Sie bitte diese Weihnachtlieder mit Ihren Kindern unterm Weihnachtsbaum“, beschwört die Chordirektorin ihr Publikum förmlich, das Musizieren im Familienkreis sein nicht zu vernachlässigen. Wie schön das  nämlich ist, wenn man beim „Leise rieselt der Schnee“ zuerst leise singt und dann auf dem langen Ton vorm „Freue dich, ‚s Christkind kommt bald“ auch wirklich freudig lauter wird, das erfahren alle im Publikum dabei am eigenen Leib. Es gibt noch „Stille Nacht“, und „Fröhliche Weihnacht überall“ sowie einen unbekannten Kanon, den nur der Chor kann. Dann erheben sich die Profi-Sänger aus ihren Sitzen im Parkett und gehen auf die Bühne, um zu zeigen, wie das klingt, wenn sie vierstimmig und ohne Begleitung weihnachtliche Chorsätze aus aller Welt singen.

Da kommt auch mal ein lustiger „O Tannannannenbaum“ vor, etwas aus England und Besinnliches aus Nordeuropa. Und viele leise Akkorde hören sich an, als kämen sie wie aus einer Kehle. Das ist richtige Kunst. Später darf das Publikum das ganze Weihnachtsliederpensum vom ersten Teil dann noch mal hintereinanderweg singen. Dabei kann man dann auch die lustigen Überleitungen am Klavier viel besser genießen. Und vor allem: Man kann das jetzt schon beinahe perfekt. So geht es jedenfalls auch Greta, die fast schon sicherer ist als ihre Mama. Und hinterher bestens gelaunt, wie all die anderen, die sich fit fürs Weihnachtsliedersingen fühlen.