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Mönchengladbach: Niederrheinische Sinfoniker spielen ihr Kammerkonzert mit Lesung

Kurzkritik zum Kammerkonzert in Mönchengladbach : Kammerkonzert verwebt gekonnt Wort und Musik

Mit der Kreutzersonate haben sich die Niederrheinischen Sinfoniker ein kompaktes, vielschichtiges Werk für das erste Kammerkonzert der Spielzeit vorgenommen. Das Experiment mit Musik und Literatur gelang.

Beethoven widmete seine „Kreutzersonate“ op. 47 dem Geiger Rodolphe Kreutzer. Doch der hat sie nie gespielt. Sie sei „beleidigend unverständlich“, sagte er. Beim Kammerkonzert der Niederrheinischen Sinfoniker staunte man, wie virtuos Emir Imerov diese Herausforderung bewältigte. Er jagte die 32tel-Noten in die höchsten Sphären. Anton Gerzenberg am Klavier war ihm bei der wuchtigen Musik ein gleichwertiger Partner.

Das Konzert war eine Mischung von Text und Musik: Leo Tolstoi hat seine Novelle „Kreutzersonate“ als Antwort auf Beethoven geschrieben. Darin erzählt ein Mann, warum er aus Eifersucht seine Frau erdolcht hat. Leoš Janáćeks Streichquartett Nr. 1 ist wiederum eine Antwort auf Tolstoi. Er gibt der Frau eine Stimme, deren Sicht in der Erzählung mit keinem Satz vorkommt. Das Streicherquartett mit Emir Imerov, Jovana Stojanovic-Logiewa, Natascha Krumik und Silke Frantz spielte die bildhafte Musik von Janáćeks mal sanft, mal rabiat und ruppig. Die Reihenfolge folgt der emotionalen Entwicklung der Geschichte. Das ist in sich eine schlüssige Komposition, auch wenn die Musik manchmal abgeschnitten wirkt. Martin Börner liest die Geschichte von dem Mann, der in seine Wahnwelt gerät, zunehmend zwingend.

Am Ende spricht überraschend die Bratschistin: „Nun hast du es erreicht. Ich sterbe.“ Das zeigt wunderbar, was die Verschränkung von Musik und Wort möglich macht.