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Mönchengladbach: Neues Festival "Sound of Suburbia" im Monforts Quartier

Neues Festival in Mönchengladbach : Punkrock im Industriegebiet

Sie hatten keine Lust mehr, in einer Stadt zu leben, in der es keine Festivals gibt, also organisierten die fünf Freunde einfach selbst eins: Am 24. September findet zum ersten Mal das „Sound of Suburbia“ statt. Einen passenderen Ort hätten sie sich dafür nicht aussuchen können.

Einmal hat Christian Kaufmann sein Handy für ein paar Stunden aus der Hand gelegt und musste danach 94 Sprachnachrichten abhören. Das sei bis jetzt der Rekord gewesen, aber im vergangenen halben Jahr hat sich das Abhören von Sprachnachrichten für ihn zu einer kleinen Routine entwickelt. Es gibt vieles zu besprechen. Denn: Mit vier Freunden organisiert Kaufmann zurzeit das erste große Punkrock-Festival in Mönchengladbach, das „Sound of Suburbia“. Die Fünfer-Gruppe ist gut organisiert, einige haben berufliche Erfahrung im Veranstaltungsbereich. Trotzdem ist die Planung aufwendig: „Das liegt auch daran, dass wir sehr perfektionistisch sind“, sagt er.

Die Idee für ein eigenes Festival stammt von Marius Spürkmann. Als Jugendlicher hat er viel Zeit auf dem City Movement Festival verbracht, das damals noch umsonst und draußen auf dem Platz der Republik stattgefunden hat. Als es das Festival nicht mehr gab, beteiligte er sich an der Organisation des Horst-Festivals, das ab 2009 auf dem Platz der Republik veranstaltet wurde. Doch auch dieses Festival fand im Jahr 2014 zum letzten Mal statt. „Seitdem gibt es in der Stadt kein richtiges Festival mehr. Ich wollte nicht mehr warten und habe es einfach selbst in die Hand genommen“, sagt er.

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Im Oktober 2021 begann die Reise. Er begeisterte vier Freunde – Philipp Pietz, Christian Kaufmann, Johannes Vogt und Rene Brocher – für seine Vision. Lange gedauert habe das nicht: „Alle hatten richtig Lust“, sagt Spürkmann. In den ersten Monaten klärten sie erst einmal das Wesentliche. Dass Punkrock gespielt werden sollte, musste gar nicht diskutiert werden. Alle fünf sind Punkrock-Fans und haben sich dem Musikgenre schon früh verschrieben. Die Bands, die sie wünschten und anfragten, sagten glücklichweise zu. Auftreten wird unter anderem die bekannte Husumer Punkrockband „Turbostaat“. „Wir freuen uns sehr, dass die Band nach Gladbach kommt“. Die Musiker von „Duchamp“ mit Donots-Frontmann Ingo spielen Hardcore-Punk, die Skate-Punk-Band „No Fun at all“ kommt aus Schweden angereist und mit „Tusky“ kommt die „coolste Band aus den Niederlanden“ vorbei. „Leider haben wir nur wenige Frauen dabei. Das finden wir sehr schade, aber es war schwierig, in dem Genre weibliche Künstlerinnen zu finden“, sagen die Organisatoren des Festivals.

Der Standort stand ebenfalls schnell fest: Das „Sound of Suburbia“ wird im Monforts Quartier stattfinden. Perfekt, finden die fünf: „Es ist zentral, wir haben eine tolle und einzigartige Kulisse und es handelt sich um ein Industriegebiet – wir stören also niemanden“, sagt Kaufmann. Bei dem Namen waren sie sich nicht so schnell einig. „Wir wollen nichts mit ‚Rock‘ im Namen, das gibt es schon zu oft“, sagt Spürkmann. „Sound of Suburbia“ sei es dann geworden, weil es so schön klinge – und weil es zur Stadt passe. „Mönchengladbach ist keine Großstadt und das ist auch gut so“, sagt Spürkmann.

Es wird eine große und eine kleine Bühne geben, Foodtrucks werden auf dem Gelände stehen und ein Dekokonzept gibt es auch: „Viel Holz, Upcycling, Blumen, alles grün, schwarz, beige gehalten“, sagt Kaufmann. Auch darum kümmern sich die fünf selbst und sind zurzeit fleißig am werkeln.

Wenn sie sich den Tag vorstellen, sieht er so aus: „An der Hauptbühne gehen die Besucher zu Punkrock ab, zwischendurch entspannen sie sich an der kleinen Bühne bei Singer-Songwriter-Musik oder essen was auf der Wiese. Jetzt muss nur noch das Wetter mitspielen“, sagt Spürkmann. Der Termin sei mit Absicht in den September gelegt worden, um weniger konkurrierende Veranstaltungen zu haben.

2000 Menschen können das „Sound of Suburbia“ im Monforts Quartier besuchen, die Organisatoren rechnen mit 1000. Dass es zurzeit für viele Bands und Festivals nicht gut aussieht, konnten sie im vergangenen Jahr noch nicht ahnen. Hinzu kommt, dass Punkrock eher eine Nische bedient. Das Festival abzusagen kommt für die fünf Freunde aber nicht infrage: „Dafür haben wir zu viel Arbeit hineingesteckt. Es ist unser Herzensprojekt“, sagt Spürkmann.