Mönchengladbach: Neues Buch über Kunstwerke aus Glas

Kultur in Mönchengladbach : Kunst aus Glas – die besondere Faszination

Die Künstler Otmar Alt, Otto Dix, Sigmar Polke und andere haben mit Glas gearbeitet. Eine Buch-Trilogie des Kühlen-Verlags erhellt das Phänomen.

Man darf die Glasmalerei getrost als unterschätzte Kunstform bezeichnen. In Wahrheit ist sie eine höchst lebendige Sparte. Das gilt insbesondere für die zeitgenössische Glaskunst, die ausgesprochen individuell darherkommt. Und durchaus auch Kontroversen auslösen kann. Ein prominentes Beispiel: Alt-Kanzler Gerhard Schröder wollte der evangelisch-lutherischen Marktkirche in seiner Heimatstadt Hannover ein neues 13 Meter hohes Fenster schenken. Kein Geringerer als sein Lieblingskünstler und Freund Markus Lüpertz sollte es schaffen. Es kam zum Streit. Den einen stank die Nähe Schröders zum Kreml-Chef Wladimir Putin. Den anderen gefielen die Fliegen nicht, die der Künstler als Sinnbild des Bösen und der Vergänglichkeit in sein Reformationsbild einbauen wollte. „Schmeißfliegen“, wurden die Tiere schnell genannt. Aber das nur am Rande.

Der Mönchengladbacher B. Kühlen-Verlag hat den dritten und letzten Band der voluminösen Reihe „Meisterwerke der Glasmalerei des 20. Jahrhunders in den Rheinlanden“ vorgelegt. Herausgeberin ist wie zuvor die Kunsthistorikerin und Glaskunst-Expertin Iris Nestler. Innerhalb von sechs Jahren sind in der Zusammenarbeit Nestler/Kühlen mehr als 850 Seiten Bild und Text entstanden. „Die Werke von weit mehr als 100 Künstlerinnen und Künstlern werden in den drei Bänden einer wissenschaftlich fundierten, dabei jederzeit verständlich lesbaren, schlicht aus Faszination für diese Kunstgattung resultierenden Betrachtung unterzogen“, sagt Kühlen-Geschäftsführer Norbert Neuenhofer.

Insgesamt haben annähernd 30 Autorinnen und Autoren sich mit den Kunstwerken und ihren Erschaffern beschäftigt und ihre Beobachtungen und Erkenntnisse schriftlich fixiert. Es sind Christoph Bauer, Justinus Maria Calleen, Peter Füssenich, Andreas Gabelmann, Hans Gercke, Yvonne Hildwein, Astrid Kaiser, Manuela Klauser, Andrea Kuebart, Iris Nestler, Adam C. Oellers, Daniel Parello, Anke Elisabeth Sommer, Dirk Tölke, Jürgen Wiener und Brigitte Wolff-Wintrich.

Die Liste der Glaskünstler reicht von Otmar Alt und Otto Dix über Véronique Ellena, Augusto Giacometti und Fernand Léger, bis zu Harry MacLean und Sigmar Polke. Selbst ausgewiesene Kenner werden Künstler entdecken, von denen sie bisher nicht wussten, dass sie sich in dieser besonderen Form der Kunst verewigt haben.

Die Aufsätze in diesem letzten Band der Trilogie besprechen Glasmalereien links und rechts des Rheins auf deutscher, französischer und Schweizer Seite, beispielsweise diejenigen in den Domen und Münstern von Worms, Limburg, Straßburg, Breisach, Freiburg und Zürich.

Auch dieser dritte Band zur Glasmalerei des 20. Jahrhunderts in den Rheinlanden ist ein beachtliches Werk der Buchkunst. Mit mehr als 300 Seiten und vielen farbigen, oft blattfüllenden Abbildungen bietet er den aktuellen Stand der Forschung. Und das Buch soll – so wünscht es sich Norbert Neuenhofer – dem Leser wiederum großen Genuss und den Anreiz bieten, die dargestellten Orte zu besuchen, um sich an der Kunst aus Glas zu erfreuen.

Mehr von RP ONLINE