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Mönchengladbach: Neuer Roman der Autorin Barbara Corsten erschienen

Literatur in Mönchengladbach : Seelenkrimi mit viel Erotik

Auch Barbara Corstens dritter Roman ist im Queer-Milieu angesiedelt. Die Gladbacher Autorin erzählt in „Du bist ja plemplem“ die dramatische Geschichte eines homosexuellen IT-Experten und seines behinderten Bruders.

Barbara Corsten ist verheiratet, die 56-Jährige hat mit ihrem Mann drei erwachsene Kinder. Wenn sie sich Liebesgeschichten ausdenkt und diese in Romanlänge veröffentlicht, handeln diese jedoch nur am Rande von Menschen mit sexueller Mehrheits-Orientierung. „Ich habe den Verleger Simon Rhys Beck kennengelernt, und der verlegt vorzugsweise   queere Stoffe“, begründet Corsten ihre Vorliebe für die Schicksale von Homosexuellen, Lesben und Menschen anderer Prägung. Dass sie mit „Trust“, „Der Klippenspringer“ und aktuell in „Du bist ja plemplem“ die Beziehung zweier Männer in den Mittelpunkt rückt, hat weitere Gründe: „Diese Minderheit wird trotz gesellschaftlicher Verbesserungen in den vergangenen Jahren nach wie vor stigmatisiert und abgelehnt“, sagt Barbara Corsten.

Mit ihren hoch emotionalen „queeren“ Liebesgeschichten der Kategorie „gay romance“ will sie einen Beitrag zu mehr Toleranz und „Normalität“ leisten: „Die gleichgeschlechtliche Liebe verdient es, genauso normal beschrieben zu werden wie heterosexuelle Beziehungen“, lautet ein Credo der Autorin. Und sie hat ein großes Herz für Menschen mit Handicap, möchte Inklusion in der Gesellschaft fördern.

Und so sind wir nach ein paar Seiten mittendrin in einer Story, die wie eine sentimentale Weihnachtsgeschichte anfängt. Nach einem Jahr voller Spannungen, Glücksmomente und abgründiger Leiden in der Beziehung des als Aushilfskellner tätigen IT-Experten Tom und seines Partners Matthias, Chef einer Security-Agentur, gibt’s ein kaum  mehr erwartetes Happy End.

Wer es sich leicht machen mag, könnte eine Menge am Text monieren: zu viel Seelendrama, überspannte Gefühlsaufwallungen, Klischees (der Boden, der unter den Füßen weggezogen wird, häufiges Erröten der Protagonisten, Tendenz zu prolliger Redeweise der Figuren) und das Bestreben, die Leser mit mal zarten, mal  detailversessenen Schilderungen erotischer Begegnungen zu unterhalten.

Aber in diesem erotischen Roman stecken auch eine Menge positiv Erstaunliches, Anrührendes und gedankliche Tiefe: Wie präzise Barbara Corsten die Stationen des über 384 Seiten geknüpften Handlungsfadens sortiert, wie einfühlsam sie die nuancenreiche Verbindung zwischen dem schwulen Paar auslotet, das fast zerbricht, weil Matthias als Firmenchef glaubt, sich „Outing“ nicht erlauben zu können, wie hingebungsvoll sie Toms schier übermenschlichen Fürsorge-Einsatz für seinen geistig behinderten Bruder Maxi schildert und die zart aufkeimende Zuneigung zwischen Maxi und der 19-jährigen Küchenhelferin Janina beschreibt: Das geht unter die Haut und sorgt mit lebensnahen Dialogen dafür, dass man das Buch gern bis zum Ende liest. Dass auf den letzten 50 Seiten noch einmal alle Register von Leidensschilderung gezogen werden, wird man je nach Gemütsverfassung für derbe überzogen halten – oder sich dem melodramatischen, tränenseligen Erzählstrom bereitwillig anvertrauen. Als Haupteindruck bleibt das warmherzige Eintreten einer Schriftstellerin für Inklusion und Toleranz in der Erinnerung haften. Und das ist gut so.

ISBN: 978-3-96089-372-1 (Paperback: ISBN 978-3-96089-373-8 (E-Book)