Klassikabend des Initiativkreises Mönchengladbach Neue Sterne am Klavierhimmel

Mönchengladbach · Bei einem Klavierabend ehrte der Initiativkreis Mönchengladbach in der Kaiser-Friedrich-Halle fünf Nachwuchstalente. Drei junge Damen und zwei Herren bewiesen in Solo-Recitals ihre Eignung für eine pianistische Solokarriere.

 Iva Zurbo beeindruckte mit ihrem Spiel.

Iva Zurbo beeindruckte mit ihrem Spiel.

Foto: Giulio Coscia / Initiativkreis Mönchengladbach

Die Hürden für eine Karriere als Pianist/in sind sehr hoch, an den Konzertflügel drängen in jeder Generation Tausende hochqualifizierter Bewerber. Drei Kandidatinnen und zwei Kandidaten, die sich jetzt in der bautechnisch runderneuerten Kaiser-Friedrich-Halle für eine steile Laufbahn an den 88 Tasten empfahlen, bringen dafür geeignetes Rüstzeug mit. Davon konnten sich fast 700 Zuhörer überzeugen.

Einen kräftigen Schub als „Rising Stars“ auf dem Weg in den pianistischen Orbit gab der Initiativkreis Mönchengladbach fünf Spitzentalenten mit dem gleichnamigen Förderpreis. Der Schirmherr der Präsentation, Norbert Bienen, würdigte den Partner des Initiativkreises bei dem mit 10.000 Euro dotierten Geldpreis, die Kulturstiftung Europamusicale. „Die aufstrebende Stadt Mönchengladbach“, so Bienen,  profitiere mit diesem Engagement bei ihrer Reputation im Wettbewerb mit anderen.

Und so bekamen Anna Handler, Alica Müller, Iva Zurbo, Julius Schepansky und Arthur Zimmermann nach ihren gefeierten Vorträgen von Bienen und Bürgermeister Michael Schroeren je ein kantiges Quaderstück aus Acryl in die Hand gedrückt. Als gewichtigen Grundstein zum Karrierestart.

Der Schirmherr agierte auch als leutseliger Moderator, der jede(n) Künstler(in) kurz vorstellte. Arthur Zimmermann – übrigens Sohn des prominenten Geigers Frank Peter Zimmermann – eröffnete den Programmreigen mit der populären Ballade op. 23 von Chopin. Sein kantabler, zarter Anschlag zeigte gleich zu Beginn, dass es dem 17-Jährigen um maximale Transparenz geht. Die klar gegliederte Offenlegung der Stimmführung beherrschte seine poetische Erzählweise am Steinway, erst zum ekstatisch-unruhigen Schluss hin brachte Zimmerman dramatische Wucht ins Spiel.

Anna Handler verblüffte mit der Wahl ihres Eröffnungsstücks: Mit Debussys Prélude „Des pas sur la neige“ tastete sie sich suchend wie über eine weiche Schneedecke voran. Tiefe Ruhe strömte aus ihren geschmeidigen Kantilenen, mutig ihr Verzicht auf virtuose Entfaltung. Doch mit der meisterlich gespielten Sonate Fis-Dur von Alexander Skrjabin zerstreute die 23-jährige Münchnerin jeden Verdacht, sie habe noch technischen Aufrüstungsbedarf.

Die 25-jährige Alica Müller aus Düsseldorf, die in Köln den Master-Studiengang macht, brachte sich zunächst mit pompösen, quirligen Kaskaden in Sergej Rachmaninows c-Moll-Etüde op. 39,1 auf gewünschte Betriebstemperatur. Um hernach mit dem Scherzo Nr. 4 (E-Dur) von Chopin eine erstaunlich reife, höchst graziöse Wiedergabe dieses zierreichen musikalischen Juwels  zu präsentieren. Eine bravouröse Leistung!

Mit 17 Jahren gilt Iva Zurbo bereits als eines der hoffnungsvollsten Klaviertalente ihres Heimatlandes Albanien. Die Schülerin von Heribert Koch an der Musikhochschule Münster wagte sich denn auch an ein pompöses Crossover-Stück. Mit der Chaconne aus Bachs d-Moll-Partita zog sie in Ferruccio Busonis Bearbeitung alle Register an Kraft, Volumen und kontrapunktischer Raffinesse. Ihre ansprechende Interpretation konnte jedoch nicht verdecken, dass Bachs Originalfassung für Violine solo letztlich unübertrefflich bleibt.

Auf die Jazzsparte konzentriert sich der 21-jährige Julius Schepansky im Studium an der Folkwang-Universität Essen. Er gefiel mit einer rasant pulsierenden Piano-Bearbeitung des Jazz-Standards „Airegin“ der Saxofon-Legende Sonny Rollins (89). Danach stellte er sich als Komponist vor: Sein Solostück „Alpha“ offenbarte immerhin Erfindungsgabe. Vielleicht macht er ja eine Doppelkarriere.

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