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Mönchengladbach: Neue Ausstellung im Kunstverein MMIII

Neue Ausstellung in Mönchengladbach : Macht, Liebe und eine komplexe Welt

Sie sind in Mönchengladbach aufgewachsen und für diese Ausstellung zurückgekehrt: In „To be on the Cards“ zeigen Belia Brückner, Julie Legouez und Philip Nürnberger Installationen zu Themen, die junge Menschen beschäftigen.

So unterschiedlich Belia Brückner, Julie Legouez und Philip Nürnberger im künstlerischen Ausdruck auch sein mögen, so eint sie doch ein recht junges Alter von plus/minus 30 Jahren und der Bezug zu Mönchengladbach. Hier wuchsen sie auf, hier absolvierten sie ihr Abitur, ehe sie zu verschiedenen Kunstakademien ausschwärmten. Auf Einladung des Kunstvereins MMIII sind sie die ersten Protagonisten des Ausstellungsformats MG+, das auf die Stadtentwicklungsstrategie anspielt. „Wir suchen junge Talente, die in der Stadt aufwuchsen und schließen damit an die Idee an, die uns seit Vereinsgründung wichtig ist. Vielleicht lässt sich das eine oder andere Talent für eine Rückkehr in die Stadt gewinnen“, sagt Vorsitzender Klaus Schmitt.

Unter dem Ausstellungstitel „To be on the cards“ beherrscht Belia Brückners riesige, am Computer gestaltete Wandtapete „Landscape zero“ mit vierzehn mal vier Metern den Eingangsbereich. Drei Tage hat die Künstlerin allein darauf verwandt, die temporäre Version der Arbeit auf die Wand zu bringen. „Die Tapete bildet einen Zeitstrahl von 2007 bis 2021 mit den 190 Kunstwerken ab, die seit Einführung des Zentralabiturs in Schulen behandelt wurden. Ich habe mich gefragt: Was wurde ausgewählt und lässt sich darauf ein Muster erkennen?“, erklärt Brückner. Über Farb- und Flächenfolgen informiert sie zu den ausgewählten Werken über Besitzverhältnisse, soziale Kategorien und dominante Medien.

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Wesentlich behutsamer bereitet Julie Legouez mit einem Wandobjekt auf ihre Installation vor, die auf der oberen Galerie zu sehen ist. Thema ist die Liebe zwischen romantischen Traumvorstellungen und Realität. Als Projektionsflächen dienen mit Pinsel und Acryl beschriebene Bettdecken. „Mir gefällt die Ästhetik“ sagt Legouez zum gewählten Material. „Meine Generation will die große Liebe, wie sie in Filmen gezeigt wird, mit denen wir aufwuchsen. Doch viele nutzen Tinder. Man will einen Partner und findet eine erdrückende Auswahl“, so die Künstlerin. Für die Installation schrieb sie über die Oberflächen von fünf hängenden Bettdecken die Worte „Hanging on the past“. Ein Dia-Projektor wirft Stills von Kussszenen als Finale von Liebesfilmen auf die Textilien.

Den Strom für den Projektor liefert Philip Nürnbergers Installation eines „Messestandes“. „Ich habe neun unabhängig voneinander entstandene Arbeiten in ein größeres System eingefasst“, erzählt der 1993 geborene Künstler. Er gibt einen Weg vor, der von einer Videoaufzeichnung mit Werbeszenen in Science-Fiction-Ästhetik, inselgleichen Stationen auf Höhenmodellen und einem Wandbild gesäumt ist. Eine weiße Informationstafel birgt sämtliche Legenden, die Nürnberger in der Bibliothek Karlsruhe finden konnte und assoziativ neu ordnete. „Mir ist bewusst, dass niemand die gesamten Zusammenhänge erkennen kann. Und damit sind wir bei der Ausgangssituation, wie wir sie vorfinden“, sagt er zur Auseinandersetzung mit Komplexität von Welt.

Und wie werten die drei ihren künstlerischen Auftritt in der ehemaligen Heimatstadt? „Das ist für mich die Erfüllung eines Traums. Die Räume sind toll“, bekennt Legouez zum zustimmenden Nicken der anderen.

Info Die Ausstellung in der Künkelstraße 125 wird am Samstag, 12. März, von 17 bis 21 Uhr eröffnet. Zur Einführung findet um 19 Uhr ein Künstlergespräch statt.