Mönchengladbach : Der Rheydter Musiksommer endet mit Pauken und Trompeten

Händels Wassermusik kam zu Beginn des Konzertes wuchtig und triumphal daher. Der Abend endete festlich mit Ferdinand Tobias Richters Sonata in C-Dur.

Mit Pauken und Trompeten endete der diesjährige Rheydter Musiksommer, und das sowohl im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. Im übertragenen, weil der erneut große Besuch wie ein Paukenschlag wirkte. Im wörtlichen, weil in der Tat Pauken und Trompeten in der evangelischen Hauptkirche für einen triumphalen Ausklang der Reihe sorgten.

So richtig es beim letzten Konzert war, dass Udo Witt zur Begleitung der Harfe das Orgel-Positiv einsetzte und das Konzert im Altarraum stattfand, so richtig war es jetzt, auf die Orgelbühne zu gehen. Auch wenn vorher und nachher die schweren Pauken die Treppen hoch und runter geschleppt werden mussten: der Aufwand hat sich gelohnt. War der dezente Klang des Positivs für den Zusammenklang mit der Harfe gerade richtig, so wäre er im Verbund mit Pauken und Trompeten zu schwach gewesen. Die Sauer-Orgel konnte sich dagegen nicht nur kraftvoll behaupten. Sie erwies sich auch als goldrichtig für ein Orgel-Solo-Werk des Romantikers Sigfrid Karg Elert. Der hatte für seine „Hommage to Handel“ ganz genaue Registrieranweisungen gegeben, die heutzutage auf fast keiner Orgel mehr auszuführen sind. Seltene Ausnahme: die pneumatische Hauptkirchen-Orgel aus dem Jahre 1902. Das ganze Werk wäre abendfüllend gewesen; Udo Witt begnügte sich mit einer Auswahl aus den zahlreichen Variationen über ein Händel-Thema. Die waren sehr eindrucksvoll, durchsetzt mit ungewöhnlichen Klangfarben. Tropfengeräusche wechselten mit zarten romantischen Klängen. Mal klang es fast barock, mal erinnerten effektvolle Vorschläge an eine Wurlitzer-Orgel.

Wuchtig und triumphal begann das Konzert mit Händels Wassermusik. Jedenfalls der Titel des Werks, scherzte Pfarrer Stephan Dedring, könnte bei den hochsommerlichen Temperaturen für Abkühlung sorgen. Kühl gespielt wurde indessen nicht, es ging temperamentvoll zur Sache. Die beiden Trompeter (Flavius Petrescu und Robert Essig) spielten gewissermaßen „Stereo“, indem sie weit voneinander standen und ihre Mitspieler an den Pauken (Ralf Zartmann) und am Spieltisch der Orgel (Udo Witt) in die Mitte nahmen. Barocke Lebensfreude strahlte auch das „Concerto per 2 Trombe“ von Francesco Manfredini aus, dessen Name bei der Gelegenheit endlich einmal nicht im Zusammenhang mit Weihnachten auftauchte.

Zwischen Trompeten-Schmettern und Paukenschlägen blieb auch Platz fürs Romantische, sowohl auf der Orgel („Evocation“ von Théodore Dubois) als auch für die Trompeten (Léo Delibes’ „Blumenduett“).

Völlig anders, aber nicht minder reizvoll klang der Block „Organum antiquum“ mit mittelalterlichen und vorbarocken Werken für Orgel und Schlagwerk. Ralf Zartmann steuerte Perkussionsklänge bei, die an Ritterspiele und Landsknechtstrommeln erinnerten.

So richtig festlich wurde es noch einmal am Schluss mit Ferdinand Tobias Richters Sonata in C-Dur. Nach begeistertem Beifall gab es als Zugabe noch Eurovisionsklänge, korrekt: die vitale Anfangspassage des Te Deums von Marc-Antoine Charpentier.

Bis zum nächsten Musiksommer dauert es natürlich noch etwas, nicht ganz so lange bis zum 1. Dezember. Dann gibt es zum Advent-Auftakt in der Hauptkirche um 19.30 Händels „Messiah“ in der englischen Originalsprache.

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