Mönchengladbach: Musikschüler proben für den Bundeswettbewerb "Jugend musiziert"

Talente aus Mönchengladbach : Proben für den Bundeswettbewerb

Marie Lina Hanke, Anna Döring, Niklas Schröder und Daniel Brockmann gehören zu den 37 Musikschülern, die bei „Jugend musiziert“ auf Bundesebene in Halle teilnehmen. In der Citykirche probten sie noch einmal vor Publikum.

„Nein, tut mir das nicht an!“ Sabine Heiwolt schüttelt den Kopf, die vier jungen Musiker hören auf zu spielen. „Daniel, du hast ein B reingeknallt statt eines H. Wenn das beim Wettbewerb passiert, bin ich am Boden.“ Die vier grinsen, aber die Leiterin des Ensembles für Alte Musik meint es auch ernst. Denn Marie Lina Hanke (Gesang), Anna Döring (Geige), Niklas Schröder (Cello) und Daniel Brockmann (Cembalo) proben nicht für irgendein Konzert, sie haben sich für den Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ qualifiziert, der am heutigen in Halle/Saale beginnt. Sie gehören zu den 37 Schülern der Musikschule, die dieses Jahr zu diesem Wettbewerb fahren.

Am Montag wird die Gruppe in Halle mit Werken von Frescobaldi, Caldara und Händel aus Spätrenaissance und Barock antreten. Sie treffen sich seit letztem Oktober und haben weit über 50 Stunden geprobt. Dazu gehört auch, dass sie zusammen bei ihrer Lehrerin gekocht haben und öfter abends mit ihr pokern. Zu Beginn der Proben mussten die Musiker erst einmal ihre Original-Barockinstrumente kennenlernen. Anna und Niklas spielen zum Beispiel auf Geige und Cello mit Saiten aus Schafsdarm. Und für Daniel, der Töne absolut hört, war es eine Qual, dass Barockinstrumente einen halben Ton tiefer gestimmt werden als normal. Wenn er Noten vom Blatt spielte, hörte sich das für ihn windschief an.

Beim Landeswettbewerb hat das Ensemble einen ersten Preis mit 24 von 25 möglichen Punkten erreicht. Die Juroren sind – was völlig unüblich ist – nach dem Vorspiel aufgestanden und haben ihnen applaudiert. „Sie haben auch jetzt eine Chance, weit vorne abzuschließen“, sagt Musikschulleiter Christian Malescov. Aber seine Hand dafür ins Feuer legen würde er nicht. „Das Niveau steigt von Jahr zu Jahr.“ Mittlerweile würden viele Jugendliche beim Bundeswettbewerb so spielen wie bei der Aufnahmeprüfung für die Hochschule. „Das ist gnadenloser Leistungssport.“

So ein Druck macht zwangsläufig aufgeregt. Damit geht jeder anders um. Anna zittert, bis der erste Ton im Raum ist. „Dann bin ich in der Musik, und alles ist gut.“ Niklas leidet Qualen, wenn er auf dem Cello einen Millimeter daneben greift. „Aber bei mir ist es am schlimmsten“, sagt Sabine Heiwolt. Beim Landeswettbewerb hat sie eine Pulsuhr getragen. „Die schlug Alarm, weil mein Puls ständig über 130 war.“

Aber auch der Umgang mit Nervosität ist einer der Lerneffekte. Denn wer Profimusiker werden will, muss sich dem Wettbewerb aussetzen. Und immerhin wollen drei der vier Musik studieren. Ehrgeiz verstehen sie nicht als „Strebertum“, sondern als Kraft, mit der sie viel erreichen. „Wenn mir etwas nicht perfekt gelingt, ärgere ich mich, bis meine ganze Umgebung genervt ist“, sagt die 15-jährige Marie Lina. Sie und Anna sind sehr gute Schülerinnen, Daniel hat bereits mit 16 Jahren Abitur gemacht und schreibt jetzt als 19-jähriger an seiner Bachelorarbeit als Bauingenieur. Nur Niklas gibt unumwunden zu: „Ich bin ein fauler Schüler und froh, wenn ich das Abi irgendwie schaffe.“ Statt für die Schule zu lernen, spielt er lieber drei bis fünf Stunden am Tag Cello.

Für die Entwicklung der Jugendlichen sei es nicht immer am besten, einen ersten Preis zu bekommen, sagt Malescov. Manchen steige das zu Kopf. Daher begrüßt er es,wenn Lehrer und Eltern gelassen bleiben. „Es ist nur ein Amateurwettbewerb.“ Er kennt viele erfolgreiche Profi-Musiker, die nie bei „Jugend musiziert“ mitgemacht haben. Und manchen Bundespreisträger, aus dem kein Profi geworden ist.