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Mönchengladbach: Musiker der Niederrheinischen Sinfoniker spielen im Autokino

Musik in Mönchengladbach : Acht Jahreszeiten erklingen im Autokino

Die Niederrheinischen Sinfoniker melden sich aus der Corona-Zwangspause mit einem Live-Konzert zurück. Eine 17-köpfige Streicherformation und vier Solisten musizierten im Autokino am Mönchengladbacher Nordpark.

„Meine sehr verehrten Autos und Musikfreunde in den Autos“, so begrüßte Generalmusikdirektor (GMD) Mihkel Kütson die jeweils zwei Insassen in den vor dem Pavillon und den zwei großen Leinwänden rechts und links geparkten knapp 100 Limousinen „zu diesem hoffentlich einmaligen Erlebnis“.

Die Organisation dieser für alle Beteiligten neuen Erfahrung war vorbildlich. Durch die großen Leinwände hatten alle Besucher ausgezeichnete Sicht, und die Übertragung über die Autoradios gelang einwandfrei.

Kütson und das mit dem gebotenen Abstand im Pavillon positionierte 17-köpfige Streicher-Ensemble hatte   „Acht Jahreszeiten“ ausgewählt – die vier berühmten von Antonio Vivaldi (1680-1743) und die vier weniger bekannten des Argentiniers Astor Piazzolla (1921-1992).

Ein solches Programm ausschließlich mit eigenen Kräften gültig zu interpretieren, ist nur möglich, wenn es unter den Geigern solche mit enormem solistischem Potenzial gibt. Das bewiesen die abwechslungsreichen anderthalb Stunden nachdrücklich.

Konzertmeister Philipp Wenger begann mit Vivaldis „Frühling“ und bahnte mit glasklarer Virtuosität und volumenreichem Ton den solistischen Kollegen den Weg. Die Streicher – vom Cembalo spielenden Generalmusikdirektor geleitet – ließen sich, wie auch bei den folgenden Programmpunkten gern zu lebendigem Spiel animieren, gepaart mit der Freude, endlich wieder „richtig“ musizieren zu können.

Emir Imerov hatte sich die hoch virtuosen Soloparts gleich beider „Sommer“ vorgenommen. Sowohl die mitreißende Glut bei Piazzolla – von Kütson nun am Dirigentenpult energisch angefacht – als auch die Vielschichtigkeit des barocken Blicks auf die warme Jahreszeit waren beim Stimmführer der zweiten Geigen in besten Händen. Hier und im weiteren Verlauf des Konzertes ließen die ausdrucksintensiv gestalteten Soli des Cellisten Ghislain Portier aufhorchen.

Für den „Herbst“ war Konzertmeister Fabian Kircher zuständig. Den dunkel getönten Passagen verlieh der Geiger Tonschönheit und Einfühlsamkeit – das Virtuose meisterte er souverän.

Die meisten melodiösen Passagen haben beide „Winter“-Impressionen, und da war Konzertmeisterin Chisato Yamamoto, die aber auch technisch hoch Anspruchsvolles tadellos bestand, in ihrem Element. Nach ihren Vorträgen mischte sich in den Applaus, der nur durch die geöffneten Autofenster zu den Akteuren dringen konnte, sogar ein ganz zaghaftes (weil verbotenes) Hupen.

Zum Abschluss spielte Philipp Wenger Piazzollas „Frühling“ und zog, gemeinsam mit seinen Kollegen, noch einmal alle technischen und musikalischen Register. Danach gab es dann doch noch ein Hupkonzert, das die Anwohner sicher störte. Doch das werden sie hoffentlich vergeben – es sollte ja nur ein einmaliges Erlebnis sein.