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Mönchengladbach: Museum Abteiberg zeigt aktuelle Filmkunst in Ausstellung

Museum Abteiberg in Mönchengladbach : Willkommene Geschenke

Das Museum Abteiberg präsentiert im großen Stil aktuelle Filmkunst. Sechs zeitgenössische Positionen erweitern als Schenkung von Outset, einer internationalen Kunstförder-Stiftung, die Sammlung.

Im Museum Abteiberg ist es erstmal mit der andächtigen Ruhe vorbei. Dabei hat man sich an das vernehmliche Rauschen der Luftpumpen in Ghislaine Leungs „Welcome“-Aufblas-Bögen schon gewöhnt. Ihre Ausstellung ist übrigens bis 21. November verlängert. Nein, neuer Schall dringt aufmerksamkeitsheischend schon aus dem Audiovisionsraum, wo Donald Trumps Stimme unverkennbar herumpoltert. Auf der Gartenebene tönt es aus zwei Kleeblatträumen, dem Vortragsaal, der Malklasse und aus dem amorphen Raum. Aktuelle Filmkunst hat Einzug genommen mitten in der Sammlung. Sie gehört jetzt dazu.

 „Wir lassen uns nichts schenken, was wir nicht haben wollen“, macht Direktorin Susanne Titz klar, warum die Freude im Haus so groß ist, dass seit ein paar Monaten sechs aktuelle filmische Positionen Teil der Sammlung sind. Outset Germany_Switzerland, eine internationale private Sponsoren-Gemeinschaft, die Ausstellungsprojekte anstößt und umsetzt, hatte nach der Ausstellung der sechs Arbeiten in Berlin in Mönchengladbach angefragt, ob die Schenkung genehm sei.

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Eine „wichtige Ergänzung der bestehenden Positionen medienbasierter Kunst“ von Darboven, Morris, Clark und anderen seien die Arbeiten, die auch die jüngsten Neuerwerbungen von Cecile B. Evans, Steve McQueen, Britta Thie und Hiwa K um weitere Perspektiven erweitern, sagt Titz. Und hat ihren jungen Kurator Haris Giannouras, nach der online-Vorstellung der Arbeiten im Frühjahr, nun mit einer Präsentation in der Sammlung beauftragt.

 Frappierend sind die von ihm geschaffenen Zusammenhänge. So verweist die im amorphen Raum über die gebogene Wand flimmernde Comic-Geschichte eines in den 1930ern gescheiterten Raketenpost-Experiments (Lin+Lam: Three Missing Letters) subtil auf die Hintergründe von Stevensons rostigen „Treppenreste“. In einem Kleeblattraum lässt Rachel O’Reillys Dokumentarfilm „Infractions“ über Fracking in Australien und dessen Folgen für die indigene Bevölkerung auf die dokumentarischen Wandarbeiten von Heinz Peter Knes, Henrik Olsen und Andrea Bowers in einem neuen Zusammenhang erscheinen. Ein anderer Kleeblattraum zeigt auf zwei korrespondierenden Bildschirmen Jamie Crewes „Pastoral Drama“, das in sehr subjektiven, emotionalen Bildern das antike Eurydike-Drama in einen Schwulen- und Transgender-Zusammenhang bringt.

Wie ein aufgeschlagenes Buch wirkt Andrea Büttners doppelte Video-Projektion im Vortragssaal, in der eine katholische Messe im Kölner Dom dem Alltag im Kölner Kaufhaus Manufactum gegenübergestellt wird. Verbunden durch die Person einer Nonne, die dort arbeitet.

Es geht um Scham und prekäre Verhältnisse. Onyeka Igwe kombiniert in der Malklasse sachliche Blicke in Gebäude mit kolonialer Vergangenheit in Nigeria und Bristol mit einer rhythmischen Flut von Untertiteln. Und Beatrice Gibson verknüpft den Tag vor Donald Trumps Amtseinführung mit dem Porträt zweier amerikanischer DichterInnen und sehr privaten Szenen.