Kantor in Mönchengladbach : Klaus Paulsen – Münsterkantor und Tenor

Seit 40 Jahren ist der studierte Kirchenmusiker im Dienst als Kantor. In seinen 17 Jahren in Mönchengladbach hat er viel bewegt – in der Hauptpfarre und im Gesangsunterricht an der Musikschule.

„Wie schön, euch zu sehen, kommt herein!“ Klaus Paulsen steht im Eingang der Citykirche und begrüßt die Zuschauer der Marktmusik mit einem offenen Lächeln. Jeden Samstagmittag organisiert er hier ein Konzert, die Reihe zieht im Jahr 6000 Besucher an. Der grau-blonde Mann mit der modischen dunklen Nickelbrille umarmt viele, er scherzt und spricht auch Zuschauer an, die zum ersten Mal da sind. Herzlich und unvoreingenommen – das ist Klaus Paulsen. Der Münsterkantor kennt in Mönchengladbach Gott und die Welt, er duzt die meisten. Doch ein Kumpel-Typ ist der 61-jährige nicht, dazu hat er eine zu feine, unaufdringliche Art. Am Sonntag feiert seine Pfarre nicht nur das Vitusfest, sondern auch sein Dienstjubiläum: 1979 trat der studierte Kirchenmusiker seine erste Kantorenstelle in Grefrath an. 1990 ging er nach Erkelenz, seit 17 Jahren ist er Kantor der Mönchengladbacher Hauptpfarre und seit 2005 parallel Fachleiter für Gesang und Tanz an der Musikschule. Dort hat er auch die systematische Chorarbeit der Gladbacher Singschule aufgebaut.

Was sein Traumjob wäre? Paulsen lacht. „Haargenau das, was ich mache.“ Er liebt es, Kirchenmusik zu gestalten. Und ebenso die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in der Musikschule. Er selbst hat zwei erwachsene Kinder.

So eine Leidenschaft braucht jemand, der zwei Jobs gleichzeitig mit einer Menge Verantwortung und Organisationsaufwand hat. Er arbeitet im Schnitt 70 bis 80 Stunden pro Woche – ohne Sekretärin und Smartphone. Sein altmodisches Handy hat er in der Regel ausgeschaltet und er schreibt grundsätzlich keine SMS. Aber wer eine Nachricht hinterlässt, kann sicher sein, dass Paulsen sich rasch meldet. Nur am Donnerstag, seinem einzigen freien Tag in der Woche, kann es etwas dauern. Denn dann arbeitet er oft in dem Garten seines Hauses in Birgelen, in dem er schon aufgewachsen ist.

Paulsen ist ein tief gläubiger Katholik. Die Liturgie bedeutet ihm viel. Singen ist für ihn ein „gesungenes Gebet“. Aber was ihn an der Kirche am meisten ärgert: dass sie so unglaublich lange für Reformen braucht. „Ich will Ergebnisse.“

In den vergangenen 17 Jahren hat Paulsen viel für die Kirche und die Musikschule geleistet. Oft geht er an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit. „Ich versuche immer, das Ganze zu sehen.“ Wenn Not am Mann ist, singt er auch in der zweiten Reihe bei den Tenören mit, statt den Münsterchor zu dirigieren. Weil er klar sagt: „Es geht nicht um meine Person, sondern um die Sache.“

Paulsen ist auch einer der besten Gesangslehrer in der Region. In der vergangenen Woche haben zwei seiner Schülerinnen beim Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ erste Preise gewonnen – Elisabeth Pfeiffer mit 24 von 25 möglichen Punkten, Marie Lina Hanke hat sogar die Höchstzahl erreicht. Sie gehören deutschlandweit zu den besten Sängerinnen in ihrer Altersklasse. Fast jedes Jahr schaffen es trotz extremer Konkurrenz mehrere seiner Schüler, an der Hochschule angenommen zu werden und Gesang zu studieren. Aber am liebsten unterrichtet er kleine Kinder. „Es ist jedes Mal ein Abenteuer, wenn sie ihre Stimme entdecken.“ Seine Warteliste für Gesangsunterricht ist lang – auch weil normalerweise alle, die er annimmt, über Jahre hinweg bei ihm bleiben.

Er selbst hat – obwohl er sich in jeder Pause einen Zigarillo ansteckt - eine wunderbar warme, klare Tenorstimme. „Die hat mir Gott geschenkt.“ Auch als Organist spielt er regelmäßig Konzerte – und improvisiert am Klavier zu jedem Jazz-Song eine mitreißende Begleitung. „Als Kirchenmusiker muss man fudeln können“, sagt er dann lachend. Und dass er im Ruhestand Barpianist in einem schicken weißen Frack werden will.

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